Roti Reisebericht von Clara Zeisig5.Internationaler Murbreak Surf Contest

An der falschen Adresse

von Matthi

dschungel

Writer: Angelika Sagorz

„O Gott, o Gott, o Gott bitte steh mir bei….“ Ich koennte mich ohrfeigen. Verdammte Lonely Planets, Rough Guides und Footprint Guidebooks alltogether!!!! Dank deren hochgelobten Empfehlungen ich sitze jetzt hier und Todesaengste ausstehen muss.

“Tranquil and beautiful. Good value and very highly recommended”, stand da.
“Fu** that”, fluche ich innerlich!!!!!!!! Ich hocke in einer Huette, mitten in einem tropischen Sumpf, Brutstaette von x-tausend ekelhaften Viechern mit und ohne und vielen Beinen, die sich fliegend, schwimmend, kriechend, oder huepfend fortbewegen. Jeder Biologe haette hier seinen absoluten Traumurlaub. Seitdem ich mit dem Wassertaxi am Ort des Schreckens angekommen bin, und natuerlich erst nachdem ich Schlaumeier die Unterkunft bezahlt habe, treffe ich egal wo ich hingehe auf die achtfuessigen Monster. Zuerst sitzt ein Megading, so gross wie mein Handteller, auf der Innenseite meiner Kabinentuere, danach sehe ich die Babyversion in der Gemeinschaftsdusche und als ich am Klo zum Toilettenpapier greifen will, bemerke ich im allerletzten Moment den Schatten einer Spinne, der durch das Papier durchscheint.

Ich wette, es gibt hier auch Krokodile. Die wuerden es bestimmt schaffen sich durch den riessigen Spalt im Boden meiner Holzhuette durchzuquetschen.

danger

„Grossartig!“ Bei dem Regen koennte ich nicht mal schreiend ins Freie fluechten, da ich vor lauter Panik den Steg verfehlen und geradewegs in den dreckigen Sumpf vor meiner Huette rennen wuerde.. mitten ins Verderben.. „What the hell was I thinking????“

Warum ist mir nicht aufgefallen, dass die Moskitonetze nur in Augenhoehe angebracht worden sind und der Rest der Huette aus poroesem Holz zusammgengenagelt worden ist? Gott! Ich sehne mich nach meinem Grindzimmer auf Caye Caulker. Ich habe die Nase gestrichen voll vom Dschungelleben! Ich muss mir eingestehen, dass ich niemals die Vorlage einer weiblichen Indiana Jones Titelheldin wuerde sein koennen.

„Uahhhh, was war das????“ Vor bzw. unter meiner Huette schwimmt was und es hoert sich verdammt gross an. Wieder schiessen mir die Bilder diverser stupider Hollywood-Blockbusterfilme durch den Kopf. Wie hiess der eine Film doch noch gleich, wo J. Lo im Sumpf auf Schlangenjagd geht? Aja.. Anaconda. Ja genau, so kann der Ort hier beschrieben werden. Genauso siehts hier aus.

Bei Tageslicht schien mir alles so spannend und abenteuerlich, aber das war bevor es dunkel wurde und das Frosch-, Krokodil- und Schlangenkonzert vor meinem Schlafplatz einsetzt, bevor eine Riesenkroete eine schleimige Spur ueber den Fuss eines anderen Besuchers zieht und bevor einem kleinen Maedchen ein gigantischer Minisaurier in den Schoss faellt. Ich wage mich also aufs Klo. Als ich erleichtert zurueckkomme und die Tuere schliesse, kraxelt Mr. Skorpion hoechstpersoenlich die Innenwand meiner Holzhuette entlang. Waere ich nicht gerade am WC gewesen, wuerde ich mich jetzt wohl vor lauter Angst in die Hosen machen. „Ich will hier weg!!!!“ Jetzt fehlt wirklich nur noch, dass eine Schlange schnell vorbeikriecht und mal kurz hallo sagt. Ich bin jetzt mit meinen Nerven am Ende. Ich stehe wie ein chinesischer zum Tode verurteilter Moerder, der jeden Moment aufgrund seiner Tat erschossen wird, mitten im Raum und warte auf meine Hinrichtung durch Schlangen-, Skorpion- und Spinnenbisse.
Der verdammte Skorpion steigt zum 3. Mal durch eine der Ritzen hindurch ins Freie um nach 5 Minuten wieder zurueckzukehren. Warum habe ich ausgerechnet heute Niemanden, der die Holzbaracke mit mir teilt??? Ich wuenschte, ich haette Beruhigungstabletten dabei oder zumindest eine Flasche Vodka um mich zu benebeln. Meine Nerven liegen derart auf Blankeis, dass mich sogar der Schatten meines Kugelschreibers erschreckt. Sosehr, dass ich ihn zum Boden fallen lasse, worauf ich erst die fetten, weissen Wuermer bermerke, die anscheinend gerade unter mir im Tuempel brueten…In Gedanken notiere ich wieder auf meiner „Things I have to do before I die-Liste“>

Nr. 1.007.835: Schreibe Guide-Book ueber Places in Zentral-Amerika, die man absolut und definitiv nicht sehen muss mit dem Titel: “Places to be missed in Central-America”.
Ebenso: Mail Super Lonely Planet, dass es mehr als hilfreich waere zu erwaehnen, dass Maestro Bankomat-Karten in Belize sowie in vielen Teilen Guatemalas nicht funktionieren.

skorpion

EEEndlich Ich hoere Stimmen, das arbeitende Volk trifft ein. Meine Retter, euch schickt der Himmel!!! Ich kann es kaum erwarten aus dieser tropischen Hoelle abzureisen und so schnell wie jetzt habe ich meine sieben Sachen noch nie zuvor gepackt, wohlwissentlich, dass abenteuerlustige Kriechviecher eventuell versuchen werden die Grenzkontrollen der Tierwelt als blinde Passagiere an Board meines Rucksackes zu queren….Aber das, das ist eine andere Geschichte.

Saumuede sitze ich am darauffolgenden Tag in einer kleinen „lancha“ und fahre den Rio Dulce entlang zur Garifuna Stadt Livingston und sofort lassen sich wieder die karibbischen Einfluesse erkennen. Auf der Fahrt dorthin sehe ich ein paar Krokodile und bedanke mich schweigend bei ihnen fuer die sicherlich mitverantwortliche Gestaltung der Horrornacht. Meinem Hirn fehlen mindestens 6h Schlaf und nachdem ich im Schnelldurchlauf die ohnehin nicht besonders aufregende Stadt erkundschaftet habe, setze ich mich in ein freundliches Lokal und bestelle Banana Bread und Licuado de Pina. Bei der 1,5 stuendigen Rueckfahrt schlafe ich immer wieder total uebermuedet ein um kurz darauf wieder aufzuwachen, da mein Kopf im Schlaf immer wieder schwer auf die obere Kante der Brettersitzbank knallt. Der Bootsmann ist sichtlich amuesiert und kichert jedesmal laut. „Ha, wie lustig!!!“ Er erntet strafende Blicke, die wenn sie sichtbar waeren wie Blitze in seine Richtung zucken wuerden. In Rio Dulce hole ich meinen zwischengelagerten Rucksack vom Deck ab und siedle in das Backpackers Hostel, wo ich in einem Riesenschlafsaal auf einem Steg einziehe. Das tropische Sumpfgebiet ist zwar noch praesent, aber die Unterkunft liegt nicht mehr mitten im Dschungel. Der einengenden Huette der Vornacht weicht eine offene Schlafhalle, die mir das Gefuehl gibt, ich schlafe unter freiem Himmel. Komisch, aber so fuehle ich mich sehr viel wohler.

fischer

Aber keine Vorteile ohne Nachteile. Laute, sich besaufende und prahlende “Ach ich bin ja so toll, weil ich war schon dort und hab schon das gesehen und wie schauts mit dir aus” – Backpacker gehen mir auf die Nerven. Als mich jemand fragt, wielange ich schon unterwegs sei, wo ich ueberall gewesen waere und wohin meine Reise als naechstes ginge erzaehle ich ihm ich sei Anthropologin und waere unterwegs in den Amazonas um die noch bis dato unentdeckte Hochkultur der Bulkas zu erforschen. Schwer beeindruckt lasse ich ihn alleine am Deck stehen. Ich weiss, meine Reaktion gleicht derer einer arroganten Ziege, aber ich bin heute einfach schon zu muede um unpersoenlichen Small-Talk zu halten.

Wenig spaeter seile ich mich gekonnt von der Partymenge ab und finde eine am Dock befestigte Haengematte und trotz der ausgelassenen Stimmung nebenan und den ausgelieferten Moskitoschwaermen, schlafe ich kurzerhand unter dem wolkenlosen Sternenhimmel ein. Natuerlich trage ich wie immer “Cologne de NO-squito”, aber dennoch saugen mich die blutsuechtigen Monster aus. Die Stimmen und die Musik haben diesesmal eine beruhigende Wirkung auf mich und ich habe einen tiefen, traumlosen Schlaf. Geweckt werde ich ungefaehr 3 Stunden spaeter durch ein Wuergen und einem ekeligen Geruch. Ein Partytiger, der am Steg kniet und sich an den Brettern verkrampft festhaelt um nicht kopfueber ins Wasser zu fallen, kotzt sich neben mir die Seele auf dem Leibe. Der beissende Geruch von Erbrochenem steigt mir obwohl das meiste davon im Rio Dulce landet in die Nase. Mehr genervt als angeekelt klettere ich aus der Haengematte und steige wortlos ueber seinen geschundenen Koerper hinweg.. Selber Schuld!… In der Freiluft-Schlafhalle suche ich nach dem richtigen Gang, der mich zu meinem Stockbett fuehrt. Ich nehme die erste rechts und dann die dritte links und klettere muede ins Bett.

Am darauffolgendem Tag stehe ich zeitig auf, da ich zum Bus muss. Die schlafende Partyhorde liegt im Koma, nur hinten in der 3. Reihe, Erdgeschoss, fummelt ein Paaerchen unter dem duennen Leintuch herum. Erschrocken bemerkt mich das Maedchen und peinlich beruehrt schaue ich schnell weg. Mein Gott, wie lange habe ich schon in deren Richtung gestarrt? Ich krame nervoes nach meiner Zahnbuerste und versuche damit verstaendlich zu machen, dass es mir sichtlich schnuppe ist, was in diesem Schlafsaal getrieben wird.

Nachdem ich mir mein Gesicht gewaschen habe ohne einmal in den verrosteten Spiegel zu schauen um mir den bestimmt jaemmerlichen Anblick am heutigen Morgen zu ersparen, faellt mir bevor ich das Dorm verlasse noch die eigentartige Schlafstellung der schlummernden Meute auf. Zumindest 80 Prozent der Jungs haben eine Hand rastend auf ihrem “Big Jo”, “Great Willy”, “Huge Hugo”, ect. unter der Bettdecke und bevor ich wieder beim Starren ertappt werde, fluechte ich schnell ans Festland, wo ich spontan in einen Bus Zieldestination bisher unbekannt huepfe. Den Lonely Planet habe ich dem Krokodil im Sumpf hinterlassen.

Writer: Angelika Sagorz
Land: 9433 – Österreich
Kategorie: Reisebericht

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1 Kommentar zu „An der falschen Adresse“

  1. AFK sagt:

    Stimmung!
    Ich kann Dir zusätzlich empfehlen in Guate mal mit dem Duschwasser die Zähne zu putzen. Am Besten in Flores in nem Hostal, wo es nur ein Klo gibt.
    Tapfer bleiben!

Surfhund

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