Roti Reisebericht von Clara Zeisig5.Internationaler Murbreak Surf Contest

Apa Kaba

von Matthi

Writer: David Hürzeler

Writer: David Hürzeler

Wer einmal mit dem Surf-Virus angesteckt ist, begibt sich immer wieder auf die Suche. Eine Suche nach unentdeckten Orten und einsamen Wellen, nach Abenteuer und Spannung. Aus diesem Grunde begann ich im Sommer 2008 gemeinsam mit vier Studienkollegen aus Bern eine zweimonatige Reise ins Ungewisse, ein Surftrip nach Indonesien – auf der Suche nach den weltweit schönsten Wellen.

Welcome to Bali
Nach zwei Reisetagen und 18 Stunden reiner Flugzeit landen wir auf dem einzigen internationalen Flughafen von Bali, in Kuta, einige Kilometer südlich der Hauptstadt Denpasar. Kuta ist ein Ort mit starkem westlichen Einfluss und Tatort des islamistischen Terroranschlages, bei dem 2002 über 200 Menschen getötet wurden. Der Unterschied zwischen reichen Touristen und den armen Einheimischen ist enorm und im Touristenort Kuta besonders offensichtlich: Ein Hotelangestellter – mit zwei Töchtern – verdient hier monatlich 450′000 Rupiah (rund 50 Franken). Das ist etwa halb soviel wie wir pro Monat nur für die Miete unserer Motorbikes bezahlen. Nach drei Tagen Anklimatisieren verlassen wir Kuta und fahren 50 Kilometer Richtung Norden, nach Medewi, zu einer der längsten Wellen Balis. Das Verhalten der lokalen Verkehrsteilnehmer macht die Fahrt zum bisher gefährlichsten Erlebnis; es beruht im Wesentlichen auf dem Prinzip Hoffnung – der Hoffnung, dass die fünf Fahrzeuge vor dem eigenen Auto und die fünf dahinter sowie die siebzehn Moped- und Fahrradfahrer dazwischen sich so verhalten, wie man es erwartet, und keinen Unsinn machen. Zudem betätigt jedes Fahrzeug durchschnittlich etwa alle 30 Sekunden die Hupe.

In Medewi beschert uns der starke Swell die bisher wohl größten Wellen unserer «Surfkarriere». Über drei Meter hohe Wassermassen sorgten für bange Momente und unfreiwillig lange Tauchgänge. Dass diese Wellen über mit Seeigeln bewachsenen Steinen brechen, macht die Sache nicht einfacher. Zurück in Kuta decken wir uns mit Proviant und Medikamenten ein, bevor wir nach zwei Wochen Wasser- und Brettgewöhnung auf Balis südliche Halbinsel Bukit fahren. Hier befinden sich die schwierigsten und bekanntesten Surfspots der Götterinsel. Als einer der einfacheren unter ihnen gilt Balangan, aus diesem Grunde auch unser erstes Ziel auf Bukit.

indo dschungel

Dort angekommen, wähnen wir uns im Paradies: Eine abgelegene Bucht, einfache Strohhäuser direkt am Strand und perfekte Wellen. Doch an diesem Tag hat das Paradies einen Haken: Das Wasser ist übersät mit kleinen giftigen Quallen, die bei jeder Berührung ein starkes Brennen auslösen. Da der positive Anreiz der schönen Wellen stärker ist als der negative Aspekt der Qual(l)en, bleiben wir dennoch einige Stunden im Wasser. Dies bezahlen wir mit roten, geschwollenen Unterarmen. Eine weitere Besonderheit sind die Strohhütten, unser Zuhause in Balangan. Diese sind auf Holzpfählen gebaut und nur einen Steinwurf vom Meer entfernt, von Strom oder fliessendem Wasser natürlich keine Spur. Die Wände haben eine Schall- und Isolationsfähigkeit, sowie eine Wasserdichte von ungefähr Null. Die auf dem Boden liegenden Matratzen eignen sich dennoch hervorragend zum Schlafen – sowohl für uns, als auch für unzählige kleinere Tiere.

surfing welle

Dreamland?
Der berühmteste Spot von Bukit – und wohl jedem europäischen Surfer, der jemals in Indonesien war, bekannt – ist Dreamland. Wer aber bisher noch nicht dort gewesen ist, dem ist es nicht mehr zu empfehlen. Während der Ort früher seinem viel versprechenden Namen angeblich gerecht wurde, ist er heute einem Gr0ßprojekt gewichen. Bereits um sein Motorbike 200 Meter vor dem Strand abzustellen, muss eine Parkgebühr entrichtet werden. Danach führt ein asphaltierter Weg gesäumt von (halbfertigen) Restaurants und Souvenirläden zum Meer. Blickt man von dort aus zurück, sieht man vor allem einen riesigen Hotelkomplex im Rohbau. Man begibt sich also besser abseits der angestammten Touristenwegen – auch wenn dabei mögliche Verständigungsprobleme auftreten können: Nicht alle Balinesen sprechen Englisch. Ihre Reaktion ist allerdings höchst sympathisch. Sie lachen einfach. Ebenfalls ein Lächeln verursacht das gelegentliche Verhalten der Einheimischen an der Kasse: Fehlen die nötigen Münzen beim Retourgeld, wird dem Käufer stattdessen ein Kaugummi angeboten.

Nach knapp vier Wochen auf Bali, reisen wir auf die große Nachbarinsel im Westen, Java. Dort wohnen wir in einem Camp im Nationalpark, in unmittelbarer Nähe von G-Land, einer der bekanntesten Wellen der Welt. Auf Java sind wir besonders gespannt, denn nun heißt es: «Into the wild».

indo fischer

Drama in Java
Java ist Indonesiens zweitgrößte und am dichtesten besiedelte Insel. Dort, wo wir hingehen, sind die Tiere gegenüber den Menschen jedoch in besonders deutlicher Überzahl: Unser Ziel ist ein Camp im Nationalpark von Ost-Java, mitten im Dschungel. Von dort aus fahren wir täglich mit einem Traktor, der in der Schweiz schon lange auf dem Schrottplatz gelandet wäre, zu einer Welle namens «Tiger Tracks». Wie dieser Ort im Dschungel zu seinem Namen kam, dürfen Sie sich selber denken. An einem Tag haben einige von uns die Idee, «G-Land» zu surfen. «G-Land» gilt wegen des seichten Wassers, des scharfen Riffs sowie den extrem hohlen und daher besonders kraftvollen Wellen als einer der schwierigsten Surfspots der Welt. Beim letzten Kontrollblick durch das Fernglas hinaus zum Riff halten uns die vier bis fünf Meter grossen Wellen doch noch von unserem gewagten Vorhaben ab. Wir entscheiden uns für ein «no go» und fahren wiederum zu «Tiger Tracks». Als wir dort am Strand ankommen, erblicken wir auch hier erstaunlich große Wellen. Eine Zeitlang geht alles gut. Doch dann bricht genau vor mir eine der größten Welle des Tages und ich schaffe es nicht mehr, unter ihr durchzutauchen. Was dann folgte, waren die längsten Sekunden in meinem Leben und unzählige Unterwassersaltos. Vor der Welle war ich noch 20 Meter vor meinem Kollegen positioniert, danach tauchte ich erst zehn Meter hinter ihm wieder auf – zumindest weiss ich jetzt, wie sich mein T-Shirt in der Waschmaschine fühlt. Wieder zurück im Camp, erfahren wir Erschreckendes und werden uns bewusst, wie enorm wichtig und richtig unsere Entscheidung am Morgen war. Die Bilanz von «G-Land» an diesem Tag: Zehn gebrochene Boards, mehrere Schürfwunden und ein offener Beinbruch.

wellenreiten indo

Auf unserer Rückfahrt von Java nach Bali beobachten wir ungewohnte Szenen: Jedes Mal, wenn wir an einem Polizeiposten vorbeifahren, hält unser Fahrer an, nimmt ein bisschen Geld aus dem Handschuhfach und bringt es den Polizisten. Als ein Polizist merkt, dass ich die Szene filme, kommt er sofort angerannt und will wissen, ob ich ihn fotografiert habe. Weiterfahren können wir erst, als ich ihn davon überzeugen konnte, nur die Landschaft gefilmt zu haben…

Echte Landschaftsaufnahmen machen wir drei Tage später: Nach einem nächtlichen Aufstieg auf einen der höchsten Vulkane geniessen wir im Lichte der soeben aufgegangenen Sonne eine herrliche Aussicht über eine fantastische Vulkanlandschaft mit Lavafeldern, Tropenwald, und einem See – ich fühlte mich wie Frodo Beutlin in Mittelerde.

writers contest david huerzeler surfing

Gesucht und Gefunden
Für den letzten Teil unserer Reise gehen wir weiter Richtung Osten, auf Balis rückständige Nachbarinsel Lombok. Dabei überqueren wir die Wallace-Linie, die biogeografische Trennlinie zwischen asiatischer und australischer Flora und Fauna. Zudem löst der Islam den Hinduismus als Hauptreligion ab, und während Bali teilweise relativ weit entwickelt ist, scheint hier der globale Fortschritt völlig tatenlos daran vorbeigeschritten zu sein. Fährt man die Strassen entlang, fühlt man sich zwei Jahrzehnte in der Zeit zurückversetzt: Einfachste Strohhäuser ohne Strom und Wasser, ein Alltagsleben jenseits jeglicher Zivilisation und Menschen die gemächlich ihrer Arbeit auf dem Feld nachgehen. Das häufigste Transportmittel ist eine altmodische Holzkarre, gezogen von Pferden – oder von Menschen. Selbst die Strassen verdienen kaum ihre Bezeichnung; sie sind so schlecht, dass die Lastwagen daneben auf dem Land fahren. Gefährlich wurde es jedoch erst wieder auf dem Wasser: Mit einem angeheuerten Fischerboot wollen wir zu einem «Secret Spot», einer unbekannten Welle an der Südküste Lomboks. Es hätte eine 20-minütige Sonntagsfahrt sein sollen – es wurde zu einem einstündigen Horrortrip. Kaum fahren wir aus der sicheren Bucht, bläst uns starker Wind um die Ohren und der hohe Seegang lässt unseren Fischkutter zu einem Spielball des Meeres werden. Umgeben von haushohen Wellen klammern wir uns völlig durchnässt an der Reling fest, während das Schiff hin und her geschlagen wird. Dann fährt unser Kapitän auch noch zu nahe an den Klippen vorbei, so dass sich die Wellenberge sogar brechen. Als unmittelbar vor uns eine Welle zu brechen droht, muss er alles aus dem Schiff herausholen um gerade noch seitlich ausweichen zu können. Ich habe mich schon mit dem Gedanken abgefunden, zurück paddeln zu müssen, als wir wenige Meter neben uns einen stattlichen Hai erblicken. Das war das einzige Mal in Indonesien, wo ich wirklich Angst hatte.

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Ansonsten verlief unsere Reise relativ glimpflich, von den zahlreichen Gefahren Indonesiens wie Riff-Verletzungen, kräftige Wellen, Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunami, Wilde Tiere, Terroranschläge, Malaria und andere Krankheiten blieben wir weitgehend verschont. Zurück in der Schweiz bleiben uns die Erfahrungen und Erinnerungen an einen fremden Kontinent sowie die Gewissheit, gefunden zu haben, wonach wir gesucht haben: Perfekte Wellen in Indonesien.

*= «Apa Kabar» ist die indonesische Begrüssungsformel und heißt wörtlich übersetzt «Was geht?».

Writer: David Hürzeler
Land: 3707 – Schweiz
Kategorie: Reisebericht

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3 Kommentare zu „Apa Kaba“

  1. Dominic Maag sagt:

    Super Sache, geilster Reisebericht ever!

  2. jan sagt:

    Super Text!
    Während dem lesen hatte man das gefühl, man währe live dabei. Nach dem lesen, nach einigen Sekunden zurück aus der Gedankenwelt in die Realität, wünschte man sich bereits jetzt im Flugzeug zu sitzen und richtung Indonesien zu fliegen.

  3. Zoe- from NZ sagt:

    I had a similar impression of Indo, and also had some hairy experiences in Lombok with a so-called ’secret-spot’- boat engine cut and we had a two hour paddle back to Gerupak, got an almost 3rd degree sunburn as a result, and an Aussie guy wrecked his knee on the reef. Can’t wait to go back!

Surfhund

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