Roti Reisebericht von Clara ZeisigIhre Werbung auf Surfhund

24h Surftrip an die Adria

von Matthi

Writer: Peter Bartl

Writer: Peter Bartl

Von meinem Arbeitsplatz zu Hause sehe  ich den 6 Meter hohen Bambus im auffrischenden Südwind tanzen. Dieser  Bambus steht jedoch nicht, wie man glauben könnte, irgendwo an der thailändischen Küste, sondern in der Ratzenau 26 in Gosdorf. Dieses schöne Fleckchen Erde befindet sich südlich von Graz an der slowenischen Grenze. Mein Wohnort hat aber einen kleinen Nachteil, fehlt doch ein größeres Gewässer genannt Meer, um meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Surfen regelmäßig zu frönen.
Bei der täglichen routinemäßigen Überprüfung der Wetterseiten beginnt sich mein Magen plötzlich auszudehnen, um sich im nächsten Augenblick wieder auf engsten Raum zusammenzuziehen. Der Grund liegt in der farbenfrohen Windstatistik von windfinder.com.


Der Wind aus Südwest erreicht Sturmstärke und schiebt, wie ich schon öfters miterlebt habe, auch eine beachtliche Welle an die obere Adria, meist einhergehend mit kleineren oder größeren Überflutungen, da das ganze Meer einfach nach oben gedrückt wird, und zum Beispiel Venedig recht tief liegt. Dort wo im Sommer tausende sonnengebräunte Hintern darauf warten, dass es Nacht wird, und sie Party machen können, schlägt die Gischt dann meterhoch gegen die künstlich aufgebauten Molen. Emotional komplett aus dem Häuschen fällt mir ein, dass aus diesem anstehenden Trip leider nichts wird, da ich ja morgen einen Schulworkshop am anderen Ende der Steiermark zu halten habe.
Hin und hergerissen mache ich intuitiv das, was ich in solchen Situationen immer mache, ich renne wie ein aufgescheuchtes Hendl in meiner Wohnung im Kreis und brabble wirres Zeugs vor mich hin. Soweit ich mich erinnern kann, verläuft das ganze diesmal ohne Schaum vor dem Mund. Langsam wieder am Boden der Realität angekommen, hake ich das mögliche Surferlebnis ab, gehe früh zu Bett, um am nächsten Morgen gegen halbsechs die Autofahrt nach Vorau zum Schulworkshop in Angriff zu nehmen. Kurz nach Hartberg nehme ich mir Zeit, um die beeindruckende Morgenstimmung mit den zerfetzten Südwindwolken digital festzuhalten.

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Der Schulworkshop verläuft souverän, in einer reinen Mädchenklasse kann es ja einem nur gut gehen. Gegen 16 Uhr verlassen wir, meine Unterlagen und ich, das Schulgebäude und begeben uns auf den Heimweg. Plötzlich bemerke ich, dass sich mein Surfdrang wieder meldet, zuerst leise, doch dann immer lauter, sodaß ich meine Autofahrt unterbreche und einen Freund anrufe, ob er vielleicht gemeinsam mit mir die Nerven wegschmeißt und wir heute noch  Richtung obere Adria pilgern.
Da ja bekanntlich Surfinfizierte „nie ganz alleine sind“, beschließen wir, diese Operation durchzuführen.

Endlich wieder in Gosdorf angekommen, fragt mich meine Frau nach kurzer Erklärung meines Vorhabens, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte,
worauf ich ihr die Antwort schuldig bleibe. Nach Erledigung diverser organisatorischer Dinge treten wir gegen 22.30 auf dem Cartparkplatz in Kalsdorf nahe Graz die Reise an.
Um halb eins erreichen wir den Ossiachersee, wo wir in einer Wohnung übernachten wollen.

Im Stiegenhaus der Unterkunft freuen wir uns schon auf ein warmes Bett, das aber keinen Zutritt gewährt, der Schlüssel sperrt nicht. Es ist mein erstes Mal, dass ich in einem Stiegenhaus auf dem Boden übernachte, hat aber den Vorteil, dass wir um 5 Uhr schon weiterfahren können, da sowieso keiner von uns mehr ein Auge zubringt.
Mit dem Morgengrauen kommen wir dem Meer immer näher, und steuern zielgerichtet auf den Leuchtturm in Jesolo zu. Unsere letzten Zweifel lösen sich in Luft auf, als wir die Brandung zuerst hören, dann auch surfbare Wellen erkennen können, die leicht chaotisch, etwa kopfhoch an den Strand brechen.
Es ist windstill, also glassy conditions an der f…… Adria, unglaublich!

peter bartl wellenreiten adria

Ein paar Sekunden später laufe ich bereits in meinem Neopren mit meinem 5.6er Fish- Board zum Wasser. Die Temperaturen sind für den 1. Dezember sehr angenehm, und so springe ich von der großen Steinmole direkt in den Line Up. Kurze aber steile Wellen lassen mein großes Surferherz höher schlagen, und auch Paul, mein Freund scheint sichtlich Spaß zu haben. Durch den geringen Abstand der Wellen ist der Duckdive, also das Durchtauchen der Wellen, das wichtigste Manöver beim Adriasurfen.
Einige Stunden später beenden wir zufrieden unsere Session, ziehen uns um und stärken uns mit Mohnkuchen, der unsere Müdigkeit ein bisschen vertreibt.
Am Parkplatz treffen wir einen Italiener, der uns von einem anderen Spot erzählt, den wir sogleich ansteuern.
Punta Sabbione, am östlichen Ende der Bucht von Venedig empfängt uns mit sauberen, schnellen Wellen und einer Horde von Italienern, die sich hier im Wasser tummeln.
Mich beeindrucken die vielen Shortboards, die ich bei Adriasurfern nur aus Legenden kenne. Die Performance der Locals zeigt, dass die hier sehr wohl wissen, was sie tun, nachdem ich einen netten Tuberitt aus der Nähe beobachten kann. Auch wenn es mich reizt, nochmals aufs Wasser zu gehen, spüre ich, dass meine Kräfte einfach am Ende sind und entschließe mich zu einer schöpferischen Pause mit einem Nickerchen im Auto.

Mir ist bekannt, dass die Wellen in der Adria sehr schnell kleiner werden, und so ist es auch diesmal. Wir möchten auf eine Nachmittagssession aber nicht verzichten, und fahren wieder zurück nach Jesolo, wo die Wellen noch surfbar scheinen. Halbmatt quäle ich mich in den sandigen und nassen Surfanzug, spüre aber zugleich die schwelende Motivation, die mich sicher ins Meer begleitet. Mit dem größeren Board ist das eine meiner besten Sessions, die ich je an der Adria hatte. Außerdem haben wir die Wellen ganz alleine für uns, da wir nur zu zweit auf dem Wasser sind.

writers contest peter bartl wellenreiten jesolo

Wieder beim Auto angekommen, schwant uns auf einmal Übles, nachdem sich in der Fahrertür kein Schloss mehr befindet.
Mein Ärger darüber, keine Beweisphotos vom Surfen gemacht zu haben, verflüchtigt sich, weil jetzt sowieso keine Kamera mehr da ist.
Nebenbei können sich die Diebe noch über einen Laptop und eine weitere Kamera als Beute freuen, Surfbretter haben sie wenigstens nicht mitgenommen.
Wie durch ein Wunder  sind unsere Geldtaschen noch da, die wir beide unter den Sitz gelegt hatten, auch der Pass war nicht interessant.
Anstatt die Heimreise anzutreten, führt uns der nächste Weg auf diverse Polizeistationen, wo wir nach mehreren Stunden und seltsamen Freundlichkeiten endlich die Bestätigung unseres Diebstahls in Händen halten.

Nach einem Luxusessen bei Mac Donalds ist es dann soweit, wir treten die Heimreise an, die komischerweise problemlos verläuft.
Exakt 24 Stunden nach der Abreise erreichen wir den Cartparkplatz nahe Graz, von wo ich dann noch die restlichen Kilometer nach Gosdorf
fertig fahre, ja ich fühle mich auch fertig gefahren, im wahrsten Sinne des Wortes.
Und endlich zu Hause angekommen, glücklich und traurig zugleich,bin ich mir sicher:
Wenn es nächstes mal wieder die Adria durchwühlt, ist der Superbartl, wie mich meine Freunde liebevoll nennen, wieder am Start! Und dann gibt es auch Fotos aus meiner neuen Kamera, die ich während meiner Surfsession im Sand vergrabe.
Ende

Writer: Peter Bartl
Land: 8482 – Österreich
Kategorie: Reisebericht

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2 Kommentare zu „24h Surftrip an die Adria“

  1. Matthi sagt:

    hört sich nach einem anstrengenden aber sehr lustigen surftrip an.

  2. SURFHUND sagt:

    Adria Boat Trip steht ;)

Surfhund

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