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Ein Austauschjahr in Down Under

von Matthi

Writer: Kevin Etheridge

Writer: Kevin Etheridge

Es ist 5:30 in der Früh, der Wecker geht ab und innerhalb von nur zehn Sekunden habe ich schon meine Boardshorts an und verlasse meine Wohnung nur mit einem Stück Surfwax und natürlich mit meinem geliebten Surfboard unter meinem Arm. Ich laufe zum Strand, wachse mein Board, schaue wo die besten Wellen sind und paddle dann hinaus. Nach der morgendlichen Surfsession gehe ich in die Schule und danach geht es sofort wieder an den Strand um meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Surfen, nachzugehen.

So sieht mein momentan normaler Tagesablauf aus!

In weniger als vier Monaten kehre ich aber wieder in die Realität zurück, nämlich genau dann, wenn ich in das Flugzeug Richtung Österreich einsteige. Ich bin 17, geboren und aufgewachen in Österreichs zweitgrößter Stadt, Graz. Seitdem ich meine erste Welle auf einem 9ft Foamie in Cornwall in England gesurft bin, war mir klar, dass ich es nicht dabei belassen werde. Kurz danach habe ich mit Riversurfing in der Mur in Graz begonnen, aber es ist einfach nicht dasselbe wie im Meer. Mein Drang zum Surfen war seitdem so groß, dass ich mich mittlerweile als Austauschschüler in Forster, einer kleinen Surferstadt vier Stunden nördlich von Sydney, befinde. Damit ist einer meiner größten Träume in Erfüllung gegangen!

wellenreiten kevin etheridge

Ich bin immer wieder verwundert wie sich meine Schulkameraden in Australien über schlechte Wellen beschweren können und wenn sie eine Surfsession hatten bei der sie nicht mindestens einmal gebarrelt worden sind, war diese für sie schon nicht erwähnenswert.

Ich hingegen, ein Stadtkind aus einem Binnenland, das nun plötzlich die Möglichkeit hat, jeden Tag zu surfen, weiß dies natürlich viel mehr zu schätzen und daher genieße ich jeden Moment, den ich im Ozean verbringen darf.

Auch wenn das Meer beinahe flach ist und die Surfverhältnisse mit denen am Neusiedlersee zu vergleichen sind, bin ich im Wasser. Ich genieße einfach jede Sekunde, die ich auf meinem Board verbringen kann und für mich geht es nicht nur um den Adrenalinkick den ich bei jeder Welle bekomme, sondern in erster Linie um das Gefühl der Freiheit. Es sind die einfachen Dinge im Leben, die Freude bereiten, und das Reiten von Wellen auf einem Holzbrett gehört garantiert dazu!

Dass ich den “Australian Way of Life” , der sich hauptsächlich durch Surfen, Bier und Barbeques definieren lässt, sehr schnell adoptieren konnte, liegt wahrscheinlich daran, dass ich schon mein ganzes Leben auf einem Board stehe. Ich habe vor elf Jahren mit dem Snowboarden begonnen und vor sechs Jahren mit dem Skateboarden. Obwohl mir bewusst ist, dass das Surfen doch einige Eigenheiten hat und viel naturverbundener ist, als zum Beispiel eine Session in einem Indoor Skatepark oder auf einer perfekt präparierten Snowboard Halfpipe, ist der Lifestyle dieser drei Brettsportarten doch sehr ähnlich.

Mittlerweile habe ich auch etwas die Angst vom Ozean verloren, jedoch ist mein Respekt immer noch vorhanden.

Am Anfang meines Austauschjahres hätte ich wahrscheinlich einen Herzinfarkt erlitten, hätte ich einen Hai gesehen, aber mittlerweile gehören Haie für mich schon fast zum Alltag. Vor ein paar Tagen hatte ich wieder eine Begegnung mit einem Hai, jedoch war ich noch nie so nahe wie an diesem Tag.

Als ich mich mit einem Freund unterhielt, tauchten plötzlich ungefähr drei Meter neben uns zwei Finnen auf. Es war eindeutig kein Delfin, sondern ein Hai. Man sieht hier bei fast jeder Surfsession Delfine, insofern kann auch ich mittlerweile den Unterschied feststellen. Wir sind am Board sitzengeblieben und haben einfach nur beobachtet wie die zwei Finnen ganz elegant, nur ein paar Meter neben uns, vorbei glitten und es war einfach ein magischer Moment so nahe an einem so faszinierenden Tier zu sein. Wir haben nicht einmal an die Möglichkeit einer Attacke gedacht, wir haben den Moment einfach nur genossen.

surfing kevin etheridge

Was mir in Forster so sehr gefällt, ist die Verbundenheit zum Meer. Fast jeder hier surft, bodyboardet oder bodysurft. Ich hatte schon etliche Surfsessions mit fast der Hälfte meiner Schulkameraden, sowie einigen meiner Lehrer. Der Strand ist sozusagen das Zentrum von Forster. Wenn die Wellen einmal richtig gut sind, dann fehlt plötzlich in der Schule fast die Hälfte der Schüler.

Einer meiner Schulfreunde hat bei seinem Fehlstundenformular als Grund “Surf was sick” angegeben und ist sogar ohne Bestrafung davon gekommen.

Ich liebe es wie das Surfen in Australien von der Allgemeinheit aufgenommen wird, denn wenn man in Österreich skatet oder snowboardet, gehört man meist zur Minderheit an und hier ist es genau umgekehrt.

Wie schon vorher erwähnt, muss ich in ungefähr vier Monaten meine Heimreise antreten und es wird unglaublich schwer, weil ich mittlerweile das Surfen, von dem ich vor einem Jahr noch geträumt habe, schon als selbstverständlich und Teil-meines-täglichen-Lebens ansehe. Nach meiner Ankunft in Graz werde ich dann sehr viel Zeit unter der Radetzkybrücke verbringen und versuchen, Geld aufzutreiben, um mir wieder einen Surftrip finanzieren zu können.

Aber mein Traum vom Surfen endet hier nicht, er fängt gerade erst richtig an!

Writer: Kevin Etheridge
Land: 8020 – Österreich
Kategorie: Reisebericht

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