Roti Reisebericht von Clara ZeisigIhre Werbung auf Surfhund

Bali Surftrip

von Matthi

Writer: Kerstin Kofler

Writer: Kerstin Kofler

Seit Äonen oder dem vielgerühmten Anbeginn der Zeit, mindestens aber seit 1991 und dem Filmstart von „Gefährliche Brandung“ mit Neo und dem nicht tanzenden Patrick Swayze steht Surfen auf einem unerschütterlichen Fels der Coolness. Chillig. Flow. Relax. Yeah. In den Girly-Magazinen meiner Jugend (damaaals…) findet sich in der Auflösung des Psychotests „Welcher Boy passt zu dir“ neben altgedienten Stereotypen wie Softie, Gangsta, Partyboy und Klassenclown auch der braungebrannte, blondgelockte, muskulöse Surferboy. Für den Hauch Exotik sorgt die blauen Wellen im Hintergrund. An selbigen fehlt’s einem natürlich, wenn man nicht an den Stränden dieser Welt, sondern in einem langweiligen Städtchen im Süden Österreichs aufwächst. Verzaubert vom Mythos spart man sich aber jeden Cent vom Mund ab und fliegt nach 20 qualvollen Jahren Seewasser endlich gen tropisches Wellenparadies. Wer hier jetzt was von einem sensationellen Surf-Talent lesen will, kann gleich aufhören. Jetzt kommt, wie ich das Surfboard vergewaltigte. Oder umgekehrt. Und los!

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Bali ist sensationell, und wer schon mal dort war und kein australischer Pauschaltourist ist, wird dem wohl zustimmen. Bali’s Surfschulen sind zahlreich und werden von ewig lächelnden Balinesen betrieben, die einem nach Anmeldung einen eierschalefarbenen Calimero-Helm aufs Köpfchen knallen. Womit sämtliche soeben gepriesene Coolness passé ist, weil es sich eben nicht um einen Sombrero handelt. Als würde sich das hedonistische Gemüt dadurch nicht bereits geprügelt genug fühlen, bekommen auch noch alle Anwesenden einheitliche Board-Shorts und Sleeves um endgültig das Pfadfinder-Feeling aufflackern zu lassen. Lektion 1: Leg dich aufs 100m lange Board und lass dich von der Welle wieder an Land spülen. Juhu, das klappt! Stolz durchströmt alle 167 Längen-Zentimeter des Körpers, nur eingebremst durch die außerordentlich mühsame Anstrengung, mit den kurzen Beinchen gegen die Strömung anzukämpfen, um wieder auf die erforderliche Tiefe zu kommen. Lektion 2: Aufstehen. If you don’t make it, you won’t pay for it. Haha! Mit dem diabolischem Plan im Kopf, mich eine Woche lang dumm zu stellen und quasi heimlich und vor allem gratis surfen zu lernen, war’s vorbei, als mich der Ehrgeiz gepackt hat. Nach 2 Litern Wasser im Magen und der sensationellen Erkenntnis, dass der Helm zwar ein optischer Supergau, aber deutlich stoßsicherer als z.B. ein Sombrero ist, kann ich wahrhaft behaupten: ich stand. Am Surfboard. Im Wasser. Und nur, weil’s white water war, heißt das nicht, dass es keine Welle war. Es war eine Welle – und ich hab sie gesurft. Von glänzender Motivation gepackt, werf’ ich mich sogleich in die knietiefen Fluten und versuche vergebens bauchnabeltief zu kommen. Kralle mich äffchengleich mit den Zehen im Boden fest, was nix bringt, weil Sand nun mal eine ziemlich bewegliche Materie is’. Naja. Irgendwann bekommt einer der Surf-Guides Mitleid, grinst mich an und erklärt mit Händen und Füßen ich solle mein Kanu besteigen damit er mich hinausschieben kann. So Schlepplift-mäßig. Da ich als Österreicherin selbstverständlich dem Winter(board)sport fröne und die gelebte Faulheit aus vergangenen Wintern kenne, lass’ ich mich eben chauffieren. Allerdings stellt der Arbeitsfaktor Mensch stets ein nicht berechenbares Risiko dar, in meinem Fall durch die Fehleinschätzung einer Wellenhöhe. Während mein Surfboard zwar durch sanften Druck auf das Hinterteil recht schnell, dennoch lässig das Wasserhindernis überwindet, befindet sich mein Körper plötzlich und ohne Vorwarnung in der Luft. Zwar nur zehn Zentimeter, also nix mit „Oooh, schau mal, die Menschen sind so winzig klein!“ oder „Erster ohne Hilfsmittel fliegender Mensch der Geschichte!“ aber immerhin. Ich musste ja, Newton sei’s gedankt, wieder landen. Auf meinem Surfboard. Das in der Zwischenzeit aber 20 Zentimeter Weg zurückgelegt hatte, wodurch mein großer Zehennagel Bekanntschaft mit der Kanu-Kante schloss. Dürfte ihm nicht so zugesagt haben, vor lauter Schreck hat er nämlich beschlossen, mich mit einer Fleischwunde allein in Legian im Meer zu lassen, um sich allein auf die Suche nach neuen Abenteuern zu begeben. Au.

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Was dann kam war viel Zeichensprache, in der ich auch noch beeinträchtig war, weil mir ein Fuß zum gestikulieren fehlte. Das Blut hat allerdings seine eigene Sprache gesprochen. Aufgeregte Balinesen hüpften um mich rum, was mich ziemlich neidisch gemacht hat. Wollte auch hüpfen. Nach einem viertelstündigen Balztanz schafften sie es tatsächlich, mich im noch wahnwitzigeren Fahrstil als sonst in eine Ambulation zu chauffieren. Dort ging das einseitige balinesische Rumgehopse munter weiter, bis mein Zeh zugespritzt, betäubt und eingemummt die Praxis verlassen durfte, und ich hinterher. Wer glaubt, dass dies noch vorm Anfang das Ende eines phantastischen neuen Lebensstils ist, der irrt. Natürlich hab ich mich bemitleiden lassen, meinen Schmerz in Unmengen Storm Beer ertränkt, das Füßchen in mehrere, in Bali gottlob zahlreich vorhandene, heilige Quellen getaucht und am Ende stand ich sogar am Malibu. Und durfte fühlen, dass das geilste, schönste, sensationellste Gefühl der Welt jener Moment ist, in dem du eine Welle anpaddelst und merkst, dass sie dich hat. Aber das ist eine andere Geschichte, für den nächsten Contest… :)

Writer: Kerstin Kofler
Land: 1200 – Österreich
Kategorie: Reisebericht

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