Roti Reisebericht von Clara ZeisigInterview mit Lisa Veith

Betreff: Ein offizielles Anliegen von großer Bedeutsamkeit.

von Matthi

Writer: Kathrin Elbe

Writer: Kathrin Elbe

Die Geschädigten
Überall, wo es Wellen gibt
15000 Surfparadiese

Sehr geehrte Surfer, liebe Urlauber,
wir beschweren uns.
Ihr nervt ein wenig. Und das ziemlich oft.
Warum wir das sagen?
Weil wir die Einheimischen sind.

Urlauber sind vergleichbar mit dem Besuch unangenehmer (Schwieger)Eltern: Sie beanspruchen sofort den gesamten Platz, tagelang musste für sie geputzt und gekocht werden, sie bleiben immer zu lange, sie wissen alles besser und sehen auch noch furchtbar aus. Ganz ohne sie geht es leider trotzdem nicht.

Gut. Ihr Surfer passt nicht in alle diese Kategorien und seid beileibe nicht die Schlimmsten.  Wir möchten aber an dieser Stelle zaghaft betonen: Nicht alles, was ein Brett unter dem Arm trägt, ist cool. Und nicht jeder, der cool ist, ist ein angenehmer Zeitgenosse. Wir glauben, wir dürfen das sagen, denn schließlich sind wir jeden Tag da…

Von daher, durch Realitätsproben ermittelt:

Die top-drei der merkwürdigsten Surfurlauber:

Der „Neon-Surfer“:
Zuallererst: Wir haben nichts gegen Bekleidungsmarken. Schließlich verkaufen wir die Sachen auch für gutes Geld an euch. Aber eine ernsthafte Frage: Müssen eure Klamotten so leuchten?
Der Neon Surfer besticht neben seiner lauten Art vor allem mit einem: durch seine bunten  Hosen. Breit aufgedruckte Markennamen a´ la „Rip Curl“ „Billabong“ und „O’neil“  sind dabei eine Art neuzeitliche Erkennungssterne für Surfer. Grell leuchten die Abzeichen von weither und signalisieren: „Dude, coolness is waiting for you.“

Dabei gibt es eine interessante  Erscheinung: Umso leuchtend bunter die T-Shirts, Sweater und Boardshorts der Typen sind, umso weniger Zeit mit tatsächlichem Surfen verbringen sie. Mehr Neon gleich weniger Wasser.  Einfache, aber äußerst interessante Gleichung.

Während andere Menschen im Wasser surfen, hängen die Neon- Surfer wie Leuchtbojen der gelebten Coolness  bei strahlender Sonne und brechenden Wellen auf ihren Nestern, den Bullis, und repräsentieren. Einer muss ja. Bei bedecktem Himmel und mäßigen Wellen hängen sie mit Cappuccino und zwölf Euro „Surfers Frühstück“ im nahe gelegenen Café und repräsentieren dort. Manchmal, aber nur manchmal, wenn die Zeit stimmt, balziert der strahlend neon-farbene „Rip Curl“ Vogel am Meeressaum entlang und schaut hinaus auf die Gischt. Mit Brett unterm Arm sondiert er die Wellen: Fachkundige Blicke schweifen über das Meer. Die Bedingungen scheinen nicht perfekt. Also geht’s zurück zum Bulli: Repräsentieren. Und lokale Mädels beeindrucken.

Ein bekannter Vertreter dieser Art ist der so genannte „Reisegruppenführer“. Sein besonders farbenprächtiges Gewand und seine laute Art sollen die Neulinge in seiner Surfgruppe beeindrucken und inspirieren. In der Regel schafft er dies auch und züchtet somit die nächste Generation an Coolness-Vögeln heran.

Der „tip top ausgerüstete Familienvater“:
Sein Statussymbol: Ein riesiger Campervan, einer Festung gleich. Elf Monate lang im Jahr erzählt der Surfmussolini in spe allen Bekannten von seinem Urlaub. Er, der hippe und jung geblieben Büro-Vater. Die neuesten Bretter, das beste Material, sein Wohnwagen eine Trutzburg der Familienfeste. Seine Wasserzeit: gleich Null.

Der Büro-Urlauber ist bei uns Einheimischen als so genannter Postkartennörgler bekannt. Die Coolsten sind immer die Schlimmsten. Hier wird um jede Briefmarke gefeilscht, während sein 1400 Euro handshaped Norden Longboard im nigelnagelneuen Boardbag unbenetzt vom Wasser auf der Wagenburg vor sich hin glänzt.

Achtung! Furcht bricht unter den aktiven Surfern aus, wagt sich dieser Bürohengst ein Mal ins Wasser! Ähnlich des einmarschierenden Amerikaners ins heidnische Muselmanenland, beansprucht der überlegene Büro-Vater jede Welle für sich. Aggressiv wirft er sich den Weg, um unbeholfen eine Welle zu nehmen und behäbig zurück an den Strand zu ruckeln. Kreuze nicht seinen Weg, du niedere Kreatur, der alte Mann mit dem top Material wird dich und dein zerbrochenes Board sonst als Kollateralschaden gütigst in Kauf nehmen. Aber keine Angst: Wahrscheinlich muss er eh für Tante Renate und Arbeitskollegin Utta noch Postkarten besorgen.

Der „Surfhippie“:
Seine Lieblingswörter sind: „Yeah“ „Joar“ und „die Wellen man, das Wasser man“. Ihm kannst du noch nicht mal Postkarten verkaufen. Er läuft in der Regel barfuß. Dinge wie Schuhe oder  Flip- Flops sperren seine Salzwasser verkrusteten Füße und somit seine Freiheit ein. Er kleidet sich in alte Wollpullover oder hat einzig eine farblich nicht mehr zu erkennende Boardshorts an. Sonst nichts.

Der verhinderte Kapitän Nemo der hippianischen Weltmeere ist total down mit dem Ozean. Er würde selbigen gerne retten, wenn er nicht nicht hauptsächlich damit beschäftigt wäre abzuhängen und mit seinem Longboard lange Rides zu catchen. Surfen ist sein Leben. Also ist Leben auch sein Surfen. Einfache, wenn auch konfuse Rechnung.

Der Surfhippie ist in der Regel wetterfest und winterhart. Seine „Friede-Freude-Surfen“ Mentalität hängt unserer Erfahrung nach nicht von der Klimazone ab. Im Gegenteil: Er wird der einzige crazy fucking Dude unter den drei genannten Surfurlaubern sein, den du auch bei Orkan und acht Grad Wassertemperatur in den Wellen sehen wirst. Die gute Nachricht: Er interessiert sich oft für seinen bereisten Urlaubsort und dessen Einheimische. Die schlechte: Manchmal allerdings zu viel. Denn er geht gar nicht mehr weg. In der Regel ist dieser Typ des Surfurlaubers bei seinem letzten Surftrip im wahrsten Sinne „hängengeblieben“. Physisch und psychisch.Grade jüngere, angehende Exemplare des Surfhippies erzählen gerne, was sie eigentlich sonst so nächstes Jahr Wichtiges vorhaben, anstatt erneut in deinem Ort abzuhängen. Eigentlich machen sie so verrückte Sachen wie Musik, eine Ausbildung oder gar nichts. Nur manchmal zieht es sie saisonbedingt und nomadengleich in andere Gebiete: Bali, Brasilien, bei Oma. Doch immer kehren sie, zielsicher wie ein Lachs zu seinem Laichgebiet, zurück an ihren letzten Ort: deinen Ort. So ist der Surfhippie eine feste Institution geworden. Die Frage der Einheimischen: „Ist er schon da oder noch gar nicht weg“ erledigt sich nach einiger Zeit. Er ist einfach da. In der Nebensaison bevölkert er gerne die lokalen Surfschulen, dort gibt es immer ein warmes Plätzchen oder ein paar Penunzen zu verdienen.

Der Surfhippie ist von den drei genannten Urlauberarten noch am Besten zu ertragen. Im Gegensatz zum Neon-Surfer überrascht er mit tiefgründigem Musikgeschmack und lustigen Geschichten. Immer noch besser als gar nichts. Verbringst du zu viel Zeit mit ihm, geht dies mit der Entschleunigung von Zeit, einer Abneigung gegen diverse Arbeit und der Ablehnung von fremdbestimmten Leben im allgemeinen einher.
So not cool, man.
So. Sehr verehrte Leser. Das waren die top drei der merkwürdigsten Surfurlauber. Und jetzt  für euch alle: Was glaubt ihr eigentlich wer wir sind? Eine Kinderkrippe für Aussteigerverrückte?
Zum Schluss noch eine Gewinnfrage:
Wie nennt man es, wenn alle drei genannten Surfurlauber am Strand und im lokalen Ort zusammentreffen und sich mit Horden von jungen Menschen kleiden, die alle so werden wollen wie sie? Richtig: das nennen wir Hauptsaison.

In diesem Sinne: Surf ahoi und wir sehen uns am Strand. Ihr merkwürdigen Spinner.
Hunde nicht erlaubt.
hochachtungsvoll,
Eure Einheimischen.

PS: Nach erneuter Lektüre der oben aufgeführten Surfurlaubereigenschaften müssen wir einräumen: Ein Gutes hat es ja: Es wird garantiert nie langweilig mit euch…

Kathrin Elbe, auf der Nordseeinsel Norderney aufgewachsen, lebt in Hamburg, surft selbst und ist ihren Angaben nach ein total friedlicher Mensch. Wenn sie nicht gerade alle Arten von Menschen hasst.

Writer: Katrhin Elbe
Land: 20357 – Deutschland
Kategorie: Offene Kategorie

Surfhund Writers Contest 09 SponsorenThe Chillhouse - SurfcampMission to Surf - SurfcampDana Beanie

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2 Kommentare zu „Betreff: Ein offizielles Anliegen von großer Bedeutsamkeit.“

  1. AFK sagt:

    Liebe Kathrin,

    darf ich Dir sagen, dass ich zutiefst mit Dir fühle?! Welch’ hartes Los hast Du gezogen. Bist Du doch im Herzen des weltweiten Surfens aufgewachsen. Da, wo alles seinen Anfang nahm, wo der Puls dieser Sportart schlägt – und nun stehst Du vor den traurigen Überresten, die Euch Locals noch geblieben sind. Wenn wieder einmal ein 12ft., 22 sek. Swell bei Euch eintrifft, sitzen sie da alle draußen und verstopfen Eure Peaks. Es ist fürwahr zum Aus-der-Haut-fahren. Aber eigentlich sind sie ja alle am Strand und posieren bei 30° und Sonnenschein. Naja, bis auf der Hippie vielleicht, der liegt in seiner Hängematte und schlürft n bißchen Kokosnussmilch – frisch von Eurem Palmenhain, bevor er sein 10er Longboard nimmt und sich mit seinen 8 Weggefährten 30 Meter weiter draußen vor Eure Welle setzt. Glaube mir, ich verstehe Deinen Groll.

    Alldieweil, wenn Du es mir gestattest, würde ich Deine so treffende Kategorisierung noch erweitern. Meiner bescheidenen Meinung nach gibt es nämlich auch noch den LOCAL.

    Der Local zeichnet sich dadurch aus, dass er weiß, was ihm gehört und rechtermaßen bringt er diesen Anspruch auch zur Geltung – und zwar überall auf dieser Welt. Den Local erkennt man daran, dass er lauthals schreiend schon beim Take-Off beginnt sein gottgegebenes Recht einzufordern. Dabei ist es ihm gleichgültig, dass er eigentlich nur Local auf ner furzigen Insel irgendwo in nem Meer ohne Wellen ist. Wenn er dann in die Welt hinauszieht um doch mal surfen zu gehen, sei es nach Nicaragua, Australien, auf ein ozeanische Atoll, oder nur mal rüber nach Frankreich, ist es meist der Local, der schon am Horizont die 3. Setwelle als seine deklariert. Schließlich ist es sein Strand, seine Welle, sein Meer, sein Gesabbel. Der Local vergisst bloß leider allzu schnell, dass er selber ein Urlauber ist – fast überall.

    Also ärger Dich nicht zu sehr über die 4 Leutchen, die sich zur besten sommerlichen Wellensaison auf Dein Inselchen verirren. Oder habe ich Dich vollkommen mißverstanden und Du redest von den Segelbooten, die um Dich rumeiern, wenn Du irgendwo vor Deiner Dachgartenwohnung in Winterhude auf Deinem Brett sitzt und auf die nächsten drei Schwestern wartest? Dann bitte ich Dich, meine aufrichtige Entschuldigung anzunehmen.

    Hochachtungsvoll

  2. kathrin sagt:

    wie geil is das denn?
    naaaaaaaaa, afk (an dieser stelle bitte ein langgezogenes „naaaaaaaaaa“ intonieren), fühlt sich da etwa jemand angesprochen von dem text? Etwa persönlich auf die leash getreten?
    oder woher der ausbruch?
    na, kommse, is doch alles nich so schlimm.
    ich geh jetzt das saugeile pfingstwetter genießen, vielleicht sitz ich ja nachher auch in (XX)_bitte dekadenten ort eingeben, an dem ich immer schon ma sein wollte_ und lache mich, meinen schmerbauch schmirgelnd, über dumme urlauber kaputtig. jaja.
    lieber afk, der morgen wurde mir versüßt!
    haunse in die tasten,
    freundlichst und lachend,
    k

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