Dana BeaniesInterview mit Carsten Kurmis

Mein erstes Mal

von Matthi

stefan-neuheimer surfbrett

Writer: Stefan Neuheimer

Sydney 2002, 20 Uhr 13
Nach langem Warten und hinter uns bringen des Bundesheeres war es endlich soweit, Hermann und ich betraten australischen Boden. 6 Monate Reisen, Leute kennen lernen, surfen lernen und einfach in den Tag hinein leben. Mit im Gepäck waren ein paar Klamotten, viel Motivation und vor allem kein Plan. Als wir in die abendliche Ruhe des Airports in Sydney hinaus traten wussten wir, dass wir nach vor, links oder rechts gehen konnten aber es gab für uns kein zurück. Mit dieser Euphorie stiegen wir in den ersten besten Bus Richtung Zentrum und versuchten so unser Glück in Chinatown. Ein komplett heruntergekommenes Hostel, ein Hermann der richtig krank war (Nachwehen von 7 Tagen Forestglade Festival in Wiesen, welches wir als Anlass des Abschiedes mit Freunden besuchten) und überall Chinesen waren die ersten Eindrücke dieses Kontinentes.

australien wellenreiten

Dies ist also Down Under. Also ehrlich gesagt hatte ich mir das alles ganz anders vorgestellt. Entspannte Aussies mit einem Bierchen in der Hand, Surfdudes, eine gechillte Stadt mit dem Motto, Life is a Beach! Get Topless! ….. aber all das gab es nicht in Chinatown. Darum sind wir am nächsten Morgen schnurr stracks mit all unserem Gepäck Richtung Hafen, Opernhaus und Harbour Bridge gepilgert um wirklich in Australien und in Sydney anzukommen. Als wir wussten, dass wir wirklich Down Under waren ging der Marsch weiter nach Kings Cross, ein wilderer Bereich der Stadt mit dubiosem Nachtleben. Nachdem wir uns ein schnittiges Hostel fanden wandten wir uns der Suche nach einem fahrbaren Untersatz zu um das Land und all seine Schönheit wirklich zu erobern und natürlich auch um an all die Strände zu gelangen an denen wir der Kunst des Wellenreitens mächtig werden wollten … was sich jedoch als spannender als erwartet heraus stellte.

sydney - surftrip

So kam es, dass wir 24 Stunden nach dem wir gelandet waren stolze Besitzer unsere LOWJOE’s waren. Ein 25 Jahre alter Ford Cortina mit 250 PS und 473.000 Km am Tacho. Um den Wert von 1500 Australischen Doller nur irgendwie gerecht zu werden bekamen wir ein Handy, 2 Zelte, Angelausrüstung, Campinggeschirr, Wasserbehälter und ein altes Surfboard dazu. Eine 5’7’’ Gun, optimal für uns blutige Anfänger aus dem Flachland Österreichs. Dass dieses Board wirklich nichts für uns war musste ich beim ersten Versuch surfen zu gehen herausfinden.

Also schnürten wir unsere Gun auf die Dachreling und zogen in Richtung Ostküste Australiens and die Gold Coast los, welche bekanntlich ein Surfmekka ist. Zuvor noch kurz beim Einkauf ein Lycra in der -50% Abteilung bei Woolworth abgestaubt und da waren wir. Bereit und top motiviert. Nachdem das Zeltlager aufgebaut war ging es direkt an den Strand, kurz die Arme ein paar Mal durch die Luft gewirbelt (das Aufwärmen für Übermotivierte Össis welche ganz fickrig auf Wellen sind) und ab ging es ins kühle Nass. Dort angekommen wollte mich das Surfboard mit meinen 80 kg nicht tragen als ich mich darauf geschwungen habe. Grad dass der Kopf irgendwie über Wasser blieb, aber nichts desto trotz paddelte ich lang und kräftig um irgendwie hinter die Wellenbrecherzone zu gelangen. Wo natürlich meine Kräfte bereits alle Banane waren und nicht mehr vorhanden. Nun lag ich halb schwimmend im Wasser, da das sitzen nicht wirklich funktioniert hat, und wartete auf die erste Welle welche sehr auf sich warten lies.

stefan neuheimer wellenreiten

Ich merkte plötzlich, dass ich immer weiter vom Strand weggetrieben wurde was wiederum leichte Unruhe in mir aufkommen lies da mein Kräftehaushalt sehr unter den Anstrengungen des nach draußen zu kommen gelitten hat. Als ich immer weiter abdriftete und noch immer keine Welle in Sicht war versuchte ich wieder ein wenig in Richtung Strand zu paddeln was mir jedoch untersagt blieb. Als ob ich gegen eine Wand paddeln würde. Nichts half, ich kam einfach nicht von der Stelle. Nun machte sich ein richtig mulmiges Gefühl in mir breit, eigentlich war es schon mehr Panik da ich mit meinen Kräften schon am Ende war. Ich versuchte es mit Board, ohne Board einfach so an Land zu schwimmen. Nichts ging mehr. Ich war mittlerweile so weit abgetrieben dass mich Hermann auch nicht mehr wahrnehmen konnte. So machte sich nach ca. 20 Minuten bitteren Überlebenskampfes ein Gefühl von Resignation in mir breit. Soll es das schon gewesen sein fragte ich mich? Erst ein paar Tage in meinem Traum Australien und schon wurde er zum Alptraum. Ich fühlte mich wie Robinson Crusoe nur dass ich nicht an Land sondern im Wasser gefangen war. Dem Aufgeben nahe kam plötzlich mein persönlicher Freitag angepaddelt. Ein anderer Surfer hatte mich beobachtet und meine Not erkannt. Er fragte gar nicht lange sondern meinte nur dass ich ihm nachpaddeln solle denn ich kämpfe hier gegen eine Strömung welche man entweder links oder rechts liegen lassen und danach Richtung Strand paddeln soll. So hielt ich mich an seine Paddelroute, kratzte meine letzten Kräfte so gut es ging zusammen und folgte ihm zum Strand. Da konnte ich wieder festen Boden unter meinen Füssen spüren was das Gefühl einer Wiedergeburt in mir aufkommen lies. Unverhofft zu diesem Zeitpunkt für mich da ich schon fast abgeschlossen hatte. So viel ich samt Surfboard neben Hermann in den Sand und blieb dort erstmal in der Totmannstellung liegen. Ich hatte vorerst die Schnauze gestrichen voll vom Surfen und auch vom Strand sodass ich mich ein paar Tage von beidem fernhielt. Am Abend erfuhr ich in unserem Camp, dass jedes Jahr zwei bis drei Menschen ihr Leben in dieser Strömung lassen.

Also solltet ihr ebenfalls vor eurem ersten Surfversuch stehen dann tut euch selber den Gefallen und macht vorher einen Kurs oder lasst euch das Ganze von einem guten Surfer zeigen der euch auch über die Wellen und ihre Gefahren aufklärt. Geht bitte nicht so blauäugig ins Wasser wie ich damals, denn sonst versaut ihr euch nur unnötig die geile Erfahrung des Surfens. Es hat lange gedauert bis ich meinen Frieden mit dem Surfen gefunden habe jedoch blicke ich noch immer oft an Land, merke mir einen Punkt von welchen ich immer im Auge behalte um so meinem Respekt vor Strömungen etwas anzukommen.
Unsere Reise durch Australien war aber trotz allem ein Wahnsinn und eine unvergessliche Erfahrung.
Ich wünsch euch viel Spaß beim surfen und beim Lernen!
Ride on!

Writer: Stefan Neuheimer
Land: 3364 – Österreich
Kategorie: Reisebericht

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