Murwelle in Gefahr?! – Standpunkte
von SURFHUND
Geplanter Kraftwerksbau in Graz, Puntigam
Standpunkt des Kanu Club Graz,
koordiniert mit dem Grazer Surfclub murbreak
Was ist geplant?
Der Energiebetreiber ESTAG plant ein Kraftwerk am südlichen Stadtrand von Graz, etwa 600 Meter nördlich der Puntigamer Brücke.
Der Rückstau würde bis zur Murinsel reichen. Der Wasserstand würde bei der Hauptbrücke um ca. 0,5 Meter, bei der Radetzkybrücke um ca. 1,5 Meter steigen.
Die zwei Kajak-/Surfwellen unter der Haupt- bzw. Radetzkybrücke würden verschwinden.
Keinesfalls wird der Wasserstand bis knapp unter das Straßenniveau reichen, wie in Salzburg, oder Frohnleiten*.
Daten und Fakten
85 Millionen Euro will die EStAG gemeinsam mit dem Verbund in das neue Kraftwerk investieren.
Der Wasserspiegel der Mur würde drastisch steigen – um bis zu sechs Meter im direkten Umfeld des Kraftwerks. Auswirkungen gäbe es bis hinauf zur 3,6 Kilometer entfernten Hauptbrücke in der Grazer Innenstadt.
Der Zeitplan der EStAG sieht einen Baubeginn 2012/2013 vor. Derzeit befinden sich die Planungen aber noch im Anfangsstadium.
Zudem laufen noch intensive Gespräche mit der Stadt Graz.
Quellen:
Gerald Richter, “Steirerkrone”
Pressekonferenz (lebendige Flüsse)
Wir sind dagegen!
Durch die Aufstauung der Mur wird – entgegen öffentlicher Aussagen (Nachzulesen in diversen Printmedien) – kein schönes Naherholungsgebiet im Stadtgebiet von Graz entstehen, sondern sich an der Stelle der fließenden Mur eine schmutzige, warme Lacke bilden. Dieser Stausee würde den Bereich Murpromenade stark ins Negative verändern, und dadurch den WRG §104a „Verschlechterungsverbot“, und WRG §105 Öffentliches Interesse widersprechen.
Folgende Argumente zeigen die großen Nachteile für alle GrazerInnen auf:
• Exzessive Rodungen entlang der Uferböschung
Ca. 50% der Bäume am Murufer müssten durch die Erhöhung des Wasserpegels gefällt werden. Der grüne Charakter der Murpromenade und somit das historische Grazer Stadtbild gingen verloren.
• Stehendes schmutziges Wasser ≠ Badesee
• Die Mur ist kein sauberer Gebirgsbach.
Mit Wassergüte 2 (=MÄSSIG BELASTET, Steirischer Gewässergüteatlas 2004) transportiert sie viel Schlamm. Außerdem ist mit einer erhöhten Geruchsbelästigung durch abgestandenes und verschmutztes Wasser zu rechnen. Von diesem Problem kann man sich leicht ein Bild machen, siehe Mur-Stausee Weinzödl oder Lebring.

Bild oben und unten Stausee Lebring

Bild oben und unten Stausee Weinzödl

• Kein/weniger Platz für die Murpromenade
Für die Murpromenade ist wesentlich weniger Platz, wenn der Wasserspiegel angehoben wird.
Die Promenade wurde in den letzten 10 Jahren gebaut (Eröffnung des letzten Teilabschnitts Juni 2008: ½ Jahr Bauzeit, ~2000 Arbeitsstunden, 213 Bäume und Sträucher gepflanzt, €450.000,-). Die Mur ist dadurch viel besser in die Stadt eingebunden und ein beliebter und attraktiver Freizeitbereich für Fußgänger, Läufer und Wassersportler geworden. Durch die beruhigende Wirkung des Flussrauschens (vergleichbar mit Meeresrauschen) wird der Stadtlärm in den Hintergrund verdrängt. Steigt der Wasserspiegel, ist weniger Platz für den Erholungsbereich im Zentrum der Stadt. Wird das Kraftwerk tatsächlich realisiert kann man daran erkennen, mit welcher Nachhaltigkeit die Stadt Graz und deren Politiker ihre Projekte plant.
• Brutstätte für Gelsen und Bremsen
Stehendes Gewässer ist ein idealer Brutplatz für diese lästigen Quälgeister.
• Schwankende Wasserstände – Murpromenade noch öfter überschwemmt
Wie bei jedem Laufkraftwerk wird der Wasserstand weiterhin je nach Wassermenge des Flusses um mehrere Meter schwanken**. Die Promenade ist bereits jetzt häufig wegen Überschwemmung gesperrt und wird dabei häufig beschädigt. Liegt der Fluss einige Meter höher, wird es öfter Überschwemmungen und Schäden geben, für die die Bürger der Stadt Graz (Steuerzahler) aufkommen müssten.
• Verminderte Feinstaubreduktion
Die Mur als fließendes Gewässer fördert derzeit den Luftdurchzug durch die feinstaubgeplagte Mur-Metropole (http://au.mur.at). Dies geht bei einem Stausee verloren.
• Erhebliche Beeinträchtigung von Flora und Fauna
In der Mur heimische Tierarten wie der Huchen, “der König der Mur” und der Schmetterling “Schwarzer Apollo” wären durch das Aufstauen des Wassers gefährdet.
• Wenig Strom im Winter – Genau im Winter, wenn viel Strom benötigt wird, liefert Wasserkraft sehr wenig Strom, weil die Flüsse durch den Frost in den Bergen wenig Wasser führen.
• Zerstörung einer österreichweit einzigartigen Trainings- und Wettkampfstätte
Surfern sowie Kanu- und Kajakfahrern wird durch den Kraftwerksbau die Sportstätte, die europaweit ihresgleichen sucht, genommen.
Geplante Großveranstaltungen (Eurocup, Weltcup, EM, WM), die, wie zB die mit großem medialem Interesse 2003 in Graz durchgeführte Kajak Freestyle WM, die ein Starterfeld von ca 400 internationalen SportlerInnen nach Graz geführt hat, könnten in Zukunft nicht mehr durchgeführt werden.
Die bei den Einheimischen und Touristen mit großer Resonanz aufgenommene sportliche Hauptattraktion der Mur, nämlich die Conqueror of the waves, würden in Graz für immer aus dem Stadtbild verschwinden.
Alternativen zur Wasserkraft
Wir sind keinesfalls gegen jedes Projekt. Es ist klar, dass Strom nicht aus der Steckdose kommt, sondern dass unsere Stromversorgung sicher gestellt werden muss. Allerdings gibt es hier sinnvollere Methoden mit nachhaltigerer Wirksamkeit
• Modernisierung veralteter Generatoren
Zahlreiche bestehende Kraftwerke haben veraltete Turbinen und Generatoren im Einsatz. Investitionen an dieser Stelle könnten den Bau eines neuen Kraftwerks ersetzen.
• Ersatz von Stromheizungen, Wärmeisolierung von Wohnungen
Investitionen und Förderungen, um Stromheizungen zu ersetzen und Wohnungen besser zu isolieren, bringen deutlich mehr als ein neues Kraftwerk.
• Einsparungen
Durch den Umstieg von Elektro- auf Biomasse/Biogas/Solarheizungen, den Auf- und Ausbau der Nutzung von Windkraft, Photovoltaik und solarthermischen Kraftwerken sowie die effiziente Nutzung bestehender Wasserkraftwerke ist die Energiewende – weg von fossilen, hin zu erneuerbaren Energieträgern zu schaffen, ohne dass dafür die letzten Flüsse geopfert werden müssen.
Das Problem: Es ist nicht das Interesse der E-Wirtschaft den Stromverbrauch zu reduzieren.
Das wäre gegen ihr Geschäft. Die E-Wirtschaft will Strom verkaufen, nicht den Stromverbrauch reduzieren.
* Ein höheres Wasserniveau ist technisch nicht möglich
** Typische Wasserstände sind dzt. 2,60 Meter im Winter; 4,00 Meter im Frühjahr; 5 Meter und mehr bei Hochwasser.
(Pegel der Grazer Feuerwehr: http://www.bf-graz.at/mur/mur2.htm)
Bei einem Laufkraftwerk sind diese Schwankungen des Wasserstandes auch weiterhin existent.
Standpunkt des Kanu Club Graz,
koordiniert mit dem Grazer Surfclub murbreak
Ihr habt eine Meinung dazu? Nutzt die Möglichkeit unten Kommentare zu schreiben!
Der Surfhund




(6 Stimmen, Durchschnitt: 4.33 von 5)

8. September 2009 um 21:56 Uhr
Protestfahrt auf der Mur mit anschließender Kundgebung am Grazer Hauptplatz!
Weitere Infos unter:
http://surfhund.at/protest-murfahrt-26-september-ab-weinzodl