Passion driven…
von Matthi
Costa Rica & Panama 2009
8:00h, Montag, 22. März
Spät aber doch finde ich endlich Zeit um über meinen letzten Surftrip zu schreiben. Wie es die meisten von euch kennen, lebt man als Surfer ein wenig von Trip zu Trip und so fand ich erst hier in Marokko etwas Zeit um von meiner letzten Reise zu berichten. Juli und August 2009 waren also für Panama und ein wenig Costa Rica eingeplant. Wenn man als Österreicher surft, sollte man genauso gerne reisen wie surfen, denn es wird praktisch eins und lässt sich nicht trennen. Perfekt!
Für mich gibt es zwei Arten von Surftrips, den eher gemütlicheren mit der Freundin und den wellenfokusierten mit seinen Buddys. Panama war für mich irgendwie eine gute Mischung aus beiden, d.h. meine Freundin Julia war dabei, die Wellen kamen aber nicht zu kurz. Da Julia aber auch surft, war das sowieso nie ein “big deal”. Vor der Reise, als wir noch gar nicht wußten, wo es hingehen sollte, las ich ein Buch, welches mir ein guter Freund empfohlen hatte. “Die Botschaft des Meeres” von Sergio Bambaren (“Thoughts by the ocean” lautet der originale Titel). Ein einfaches aber sehr inspirierendes Buch. Mir kam vor, als würde jemand meine Gedanken niederschreiben. Es machte so richtig Lust auf Reisen oder einfach in der Natur zu sein. Es beschäftigt sich mit den einfachen Dingen im Leben und wie wenig man eigentlich braucht um glücklich zu sein. Diese Gedanken wollte ich weitergeben an alle Freunde, Bekannten, meine Eltern usw… Doch wie nur? Ich kann nicht jedem das Buch schenken und so dachte ich mir, ich nehme es als Inspiration und mache einen kleinen Film über unseren Trip der eine ähnliche Message transportieren sollte.


Den Flug buchten wir nur knapp ein Monat davor, da uns die Entscheidung in welches Land es gehen sollte, nicht leicht fiel. Harald und Mara, zwei Freunde von uns, schlossen sich uns für den August an. Bali war (unter anderem) immer wieder im Gespräch. Doch wir entschlossen uns dagegen aus genau zwei Gründen. Erstens wollten wir wohin, wo nicht die Möglichkeit besteht, dass an jeder Ecke Deutsch gesprochen wird und zweitens musste wellentechnisch auch etwas für die Mädels dabei sein. Beide surfen noch nicht lange. Wäre es ein reiner Trip mit Buddys geworden, wären wir wahrscheinlich nach Ostindonesien geflogen um dort die Inseln zu erkunden. Doch die (Traum-)Wellen dort sind noch nichts für unsere Mädels und zwei Monate nur auf Bali wollten wir auch nicht bleiben. Da wir nun aber für ein Monat zu viert waren, dachten wir dass Panama mit seinen Beach- & Reefbreaks besser passen würde und für alle von uns passende Wellen parat hat. Außerdem reist man ja nicht nur wegen der Wellen. Der ganze Prozess des Unterwegs seins, des Erlebens, die Suche nach etwas wo man noch nicht weiß, was es ist, das und vieles mehr ist es, was uns zum Reisen antreibt.
Und so machten wir uns auf den Weg. Der günstigste Flug ging nach Costa Rica. Mit dem Bus nach Panama war der Plan und davor bei den Ticos ein wenig einsurfen. In Jaco besorgten wir uns Boards für den Trip, welche in Dominical zum ersten Mal ins Wasser kamen. Falls jemand in Jaco ein Board kaufen will, empfehle ich Chuck’s Surf Shop. Chuck ist einer der wenigen kompetenten Verkäufer dort und führt zu 100% originale Boards, was nicht überall in Jaco der Fall ist. Schon 2006 kaufte ich ein Board bei ihm und war rundum zufrieden. Wer ein gebrauchtes bei ihm kauft kann es vorher auch ausprobieren und dann entscheiden.

Dominical ist ein kleiner ruhiger Ort der alles hat, was das Herz begehrt und vor allem auch super Wellen. Wir blieben circa eine Woche dort hängen. Es war sehr gechillt, super zum Einsurfen und mit dem Filmen konnte ich auch schon beginnen. Da aber Panama das Hauptziel war, fuhren wir bald über die Grenze. Paso Canoas nennt sich der Grenzort, der nicht wirklich viel zu bieten hat. Als wir ankamen, regnete es und bei dem ganzen Dreck und Lacken am Boden war ich echt einmal froh, Schuhe anstatt Flipflops anzuhaben. Der Grenzübergang dauert ein wenig ist aber kein großes Problem. Einen Stempel auf der Costa Rica Seite holen, dann einen auf der Panama Seite, rein in den Bus und ab nach David, der zweitgrößten Stadt Panamas. Dort übernachteten wir in einem Hostel namens Purple House in dem alles schön in violett gehalten war. Sogar die Klobürste war violett, einfach alles! Nett geführt von einer Amerikanerin, die schon länger in Panama wohnt. Es gab eine Art Gästebuch in dem Traveler Tips und Infos über ganz Panama eintragen konnten. Wir fanden eine kleine Surfmap und nahmen eine Kopie mit auf die Reise. Unsere nächsten Stops sollten El Palmar, Las Tablas, Venao, Sta. Catalina und Bocas del Toro werden. Wir verbrachten also den nächsten Tag großteils im Bus, um in die Gegend El Palmar zu gelangen. In San Carlos machten wir uns dann auf die Suche nach einer Unterkunft. Nach kurzer Suche landeten wir im El Refugio. Einem Beachhouse von Jay und Russell Slough. Jay, ein 32-jähriger Partysurfer und sein Dad Russell, ein 63-jähriger Soulsurfer, machten auf uns einen sympathischen Eindruck. Der Preis passte auch und so blieben wir vorerst einmal da. Dies stellte sich als super Entscheidung heraus, denn Russell war ein verdammt interessanter Charakter – vollgeladen mit verrückten Storys. Wir teilten eine ähnliche Lebenseinstellung und diskutieren viel über die verschiedensten Dinge des Lebens. Oft kamen wir auf einen gemeinsamen Nenner. Mir war sofort klar, dass ich ihn für meinen Film interviewen musste. Irgendwie spürte ich, dass er die Person war nach der ich für meinen Film gesucht hatte. Er erzählte uns jeden Tag neue Geschichten aus seinem Leben wie zum Beispiel, dass er als Undercover Agent arbeitete, wegen Drogenschmuggels im Gefängnis saß, wie sehr er surfen liebt oder wie er Hautkrebs besiegte. Zu der Zeit war es gerade ziemlich Flat und ich sah Russell leider nie surfen. Auch hatte sein Longboard gerade ein fettes Ding. Vom Doktor aus durfte er schon länger nicht mehr ins Wasser weil es für ihn zu gefährlich wäre, meinte dieser. Er hatte schon einen Herzinfarkt und wurde viermal bewußtlos an den Strand gebracht. Doch seine Lebenseinstellung war simple: “It’s not about to die, it’s about to live!“, Russell. Mir war klar, dass er einfach immer wieder rauspaddeln würde. Es ging für ihn gar nicht anders. “Life is about fun!,“ Russell. Er liebt einfach das Leben und das Surfen. Froh war ich, als er mir sagte, dass er mit dem Interview einverstanden sei. Ich glaube, es machte ihn sogar ein wenig stolz. Es war sein erstes Interview. Wir gingen rauf auf seine Terrasse wo er sich am wohlsten fühlte und fingen an zu quatschen. Das ganze funktionierte wunderbar und Russell wurde so etwas wie die Leitfigur durch meinen Film.

Nach circa einer Woche machten wir uns weiter auf den Weg nach Las Tablas. Russell brachte uns zur Bushaltestelle und empfahl uns, unbedingt die in Las Tablas stattfindende Fiesta de la Pollera zu besuchen – in Fest das dort einmal im Jahr gefeiert wird. Es gab eine große Parade und die Frauen trugen alle eine Pollera Dress, das traditionelle Panama Kleid. Alle Kleider sind handgemacht und es dauert circa ein Jahr bis eines fertig ist. Die Männer feierten, tranken und schauten sich Stierkämpfe an. Julia und ich waren so ziemlich die einzigen “Gringos” vor Ort und somit eine weitere Attraktion für die Einheimischen. Überhaupt Julia mit ihren blonden Haaren. Wir trafen viele nette Leute, wurden auf Drinks eingeladen und hatten einfach eine gute Zeit. Hier konnte ich wieder gute Footage für den Film sammeln. Die Leute hier leben einfach und haben nicht viel, wirkten aber sehr glücklich auf mich.

Nach Las Tablas ging es weiter nach Venao. Eine sehr gechillte Gegend mit super Wellen. Die ersten wirklich guten Panamawellen hatten wir dort. Ein Beachbreak mit mehreren Points und nie mehr als vielleicht zehn Surfer im Wasser. Sehr fein! Die Gegend ist sehr ruhig, hier gibt es außer Surfen, Yoga, Fischen und ein wenig Horseriding nicht viel. Surf – eat – sleep – repeat lautet mein Tagesrhythmus. Um Lebensmittel zu kaufen, muss man mit dem Bus 30 Minuten in den nächsten Ort fahren. Oder einfach Autostoppen. Hier stoßen dann Harald und Mara zu uns. Ab nun travelten und surften wir zu viert. Von unserer Unterkunft zum Strand ging man zehn Minuten durch einen kleinen “Jungle” und nicht selten wurde man dabei von mehreren Affen beobachtet. Leider holte ich mir hier eine Ohreninfektion, musste also eine Zeit lang Antibiotika schlucken. Noch nie hatte ich solche Schmerzen am Kopf, die wenigsten hatte ich allerdings immer beim Surfen. Für Leute die gerne chillen und außer Natur und Wellen nichts brauchen ist Venao zur Zeit noch “the place to be”. Doch die Locals erzählten uns, dass es leider auch hier schon Pläne gibt, in Zukunft fette Hotels zu bauen… Man kann nur hoffen, dass das noch laaange dauern wird.


DANGER!!!
Nächtes Ziel war Santa Catalina. Eigentlich ja bekannt in der “Surfwelt”. Die berühmteste Welle Panamas bricht hier: La Punta. Uns erwartete ein kleines Dorf bestehend aus ein paar schlichten Häusern, einem “Supermarkt” der Reis, Dosenfutter und Wasser hatte und eine richtig gute Pizzeria. Der Surf hier war super. Durch heftige Regenfälle wurde ein kleiner Bach, der ins Meer fließt zu einem reißenden Fluss, der viel Sand ins Meer zog. Diese führte dazu, dass sich hier eine laut Locals noch nie dagewesene Rivermouth Welle formte. Eine ziemlich perfekte Right! Ich surfte diese Welle circa sieben Tage hintereinander und musste sie nur mit den Locals und manchmal ein paar anderen Travelern teilen. Im Lineup kam man sich vor als würde man mitten in einem Surfmovie sitzen. Die Locals gingen extrem ab mit Tubes, fetten Sprays und 360 Arials. Die Takeoff Zone war bei Lowtide durch den felsigen Untergrund ziemlich sketchy. Da sah man schon hin und wieder Steine rausblinzeln, wenn die Welle ansaugte. Jetzt nur kein Wipeout und alles ist gut. Bei Duckdives bitte auch flach halten ansonsten streift man die Felsen so wie es mir ein paar Mal passierte. Wenn man das alles managed, hatte man eine echt lustige, schnelle Welle vor sich. Meine ersten Tubes hatte ich in dieser Welle darum werde ich sie sicher nie vergessen…


Hier in Santa Catalina trafen wir auch die zwei Amis Rob und Jeff. Beide kamen aus Orange County und es war echt lustig mit ihnen zu surfen oder einfach nur abzuhängen. Gemeinsam machten wir einen kurzen Boattrip. Von einem Boot aus zur Welle zu paddeln ist schon ein gutes Gefühl. Eine Welle für nur fünf Leute im Wasser und weit und breit nichts! Auch zur Insel Coiba machten wir uns auf, um mit Riesenschildkröten und Whitetip-Reefsharks zu schnorcheln. Ein cooles Erlebnis, mal neben einem eineinhalb Meter Hai zu tauchen! Das war auf jeden Fall eines der Highlights vom Trip. Die gesamte Insel Coiba zählt zum UNESCO Weltnaturerbe, ist ein Nationalpark und wunderschön. Gewisse Vogelarten kommen nur auf dieser Insel vor, die übrigens zu dem Meereskorridor gehört, der weitere Welterbestätten wie die Galapagosinseln und die Kokosinseln miteinander verbindet.

Nächste Ziel war Bocas. Wir fuhren ohne Swellcheck in der Regenzeit dorthin, was eigentlich keine gute Idee ist. Da unsere Mädels aber auf jeden Fall dort hin wollten, um ein wenig Karibikflair zu genießen, blieb uns sowieso nichts anderes übrig. Die Anreise mit dem Bus und dann mit dem Boot an sich ist schon ein Erlebnis. Busse, die für circa 30 Menschen je 170cm groß gebaut wurden, werden vollgestopft mit 50 Leuten. Wenn man dann noch 190cm groß ist, so wie Hari und ich, und als letzter einen Stehplatz ergattert, kann es schon vorkommen, dass einem nach drei Stunden Fahrt das Genick schmerzt.
Bocas del Toro machte dann trotz seiner touristischen Ambitionen einen sehr netten Eindruck auf uns. Wenn man die Hauptstraße verläßt und ein wenig in die hinteren Gassen spaziert, wird es immer interessanter. Ein paar coole Foto- und Videoaufnahmen entstanden hier. Wellen gab es aber leider keine als wir da waren. Schade. Dann müssen wir wohl im Winter wieder einmal kommen…
Nach Bocas machten wir uns wieder auf den Weg nach Costa Rica. Da Hari und Mara noch nie in Dominical waren, wollten wir ihnen den Ort zeigen. Somit verbrachten wir die letzten zehn Tage dort. Der Swell war on und ich hatte ein paar der besten Wellen überhaupt. Zehn Fuß Sets waren keine Seltenheit. Natürlich gabs auch Wipeouts und ich holte mir noch eine Rippenprellung, ein super Ausklang für einen Surftrip. Für den Film bekam ich auch noch ein paar schöne Wellen in den Kasten. Schaut euch einfach den Film und die Fotos an, denn Bilder sagen bekanntlich ja mehr als tausend Worte…
Writer: Roman Königshofer
Land: 8670- Österreich
Kategorie: Reisebericht









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23. April 2010 um 15:04 Uhr
Leider will bei mir das Video auf keinen von drei Computern laden. Somit erlaube ich mir hier einen weiteren Link zum Video zu posten: http://www.vimeo.com/9878960
Weiters will ich den Leseren auch nicht enthalten, dass Russell mittlerweile gestorben ist. Davor schickte ich das Video an ihn und Jay so wie ich es ihnen versprochen hatte. Russells Tochter Michelle schrieb mir dann folgende Nachricht: “My dad just passed the way this morning. Just to let you know he was VERY VERY HAPPY these days with the interview you did. My brother took the laptop to the hospital this last week and showed him the video. I cannot explained to you how excited he was. My brother is planning a memorial at the beach (We are throwing his ashes at El Palmar as he wanted). Thanks for everything.” Michelle Slough
14. Mai 2010 um 13:38 Uhr
Hallo Leute. Ich muss hier etwas loswerden. Nachdem ich viele der Surfberichte mit Freude und Begeisterung durchleuchtet habe, ist es schon äußerst schade, dass gerade bei diesem Beitrag der Film nicht abgespielt wird. Um ein Haar hätte ich den Link ganz unten übersehen! Ich brenne gerade darauf meine Sachen zu packen und abzuhauen! Hoher Motivations-Faktor. Tolles Editing! Ich war 2005 in Mittelamerika unterwegs. Dieser Shorty hat es geschafft mich auf eine mentale Reise dorthin zurückzuschicken. Die stärke dieses Beitrages liegt vielleicht nicht im Text. Der Film als erzählerisches Mittel ist hingegen der Burner! “Surfing is about pure Pleasure!” Fantastisch! SICK! Anschauen, anschauen anschauen!