Interview mit Sonni HöhnscheidIhre Werbung auf Surfhund

Der Beach liebende

von Matthi

Writer: Patrick Reiner

Writer: Patrick Reiner

Noch während der feine aber konstante Regen gegen die Scheibe rieselt, schließt Dan langsam seine Augen, die in seinem langen Leben schon soviel gesehen haben. Das Prasseln des Regens an der Scheibe wandert immer weiter in den Hintergrund bis es sich mit dem Rauschen des Meeres vereint. Sein Körper rutscht im Sessel soweit zusammen, dass er bereits fühlt, wie sich seine Hände in den warmen, feinen Sand schmiegen. Für Dan ist es genau das Gefühl, wie es die letzten 30 Jahre war, als er jede freie Minute in der Bucht seiner Heimat verbrachte.

Die Sonnenstrahlen funkeln und tanzen auf dem türkisfarbenen Meer, das in der Ferne malerisch mit dem Horizont verläuft. Die Palmen wehen taktvoll im seichten Wind, der einen leicht salzigen Film auf die Lippen zaubert. Die Seele kann einfach baumeln, wie die Hängematte, auf der Dan liegt. Im Hintergrund laufen die leichten und entspannenden Reggaebeats und Dan summt den Text:“ Stell dir vor, es wäre Krieg und niemand geht hin….“ leise für sich mit. Reichtum bekommt so für Dan eine ganz neue Bedeutung. Er schaut voller Zufriedenheit auf´s Meer und beobachtet die kleine Welle, die als Strich am Übergang von Himmel und Meer beginnt und langsam über das Wasser läuft, bis sie letztendlich das Ende am Strand, unter der Matte von Dan findet. Während Dan in den vollsten Zustand der Entspannung verfällt, baut sich ein Schatten über sein Gesicht auf, dass mit einem angenehmen kichern begleitet wird. Dan verfolgt den Schatten, dreht den Kopf in Sprintgeschwindigkeit einer Nacktschnecke zum Ursprung des Schattens. Alles was er sieht, sind die Umrisse eines Typens, der in der einen Hand eine Kokosnuss hält und unter dem anderen Arm sein Surfbrett geklemmt hat. Die von der Sonne und dem Meer ausgeblichenen Dreadlocks stehen in alle Richtungen ab. Im Gesicht erstreckt sich ein weißer Balken, der eindeutig nur das Grinsen von Tosh zum Ursprung haben kann. Tosh tritt einen Schritt an Dan heran, die Begrüßung findet mit einem zusammenklatschen der Fäuste statt. Am Strand sagt man, dass dies die einfachste Art ist, Menschlichkeit und Anerkennung auszudrücken. Der Austausch von Worten hält sich rar, nicht etwa, weil man sich nicht mag, im Gegenteil, weil man sich auch ohne Worte gut versteht und einig wird. Wenn man als Außenstehender die beiden Jungs einmal beobachten würde, wie sie zufrieden auf ihrer Hängematte sitzen, gemütlich den Saft aus der Kokosnuss trinken und während dessen mit einem scheinbar leeren Blick auf´s Meer schauen, kann man ganz deutlich erkennen, dass dieses Funkeln in den Augen nicht etwa von der Reflektion der Sonne kommt, sondern vielmehr, direkt aus dem Herzen, wo die Sonne bei beiden das ganze Jahr über scheint.

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Völlig abwesend seiner Gedanken öffnet Dan wieder seine Augen und muss mit tiefer Enttäuschung feststellen, dass er immer noch in seinem hornhautbraunen Sessel in seiner dunklen und einengenden Wohnung sitzt. Er beobachtet nun statt Wellen am Meer einen Regentropfen, der durch den Wind an seine Wohnzimmerscheibe gedrückt wurde und den Weg entlang der Scheibe und in Abhängigkeit der Schwerkraft nach unten sucht. Soll gerade die Sonne in seinem Herzen, die scheinbar nur noch wage scheint, wirklich der Grund seiner jetzigen Unzufriedenheit sein? Alle haben ihm immer gesagt, dass das Leben nicht nur Strand und gute Laune ist. Hatten die Leute, über die er immer gelacht und gespottet hat, wirklich recht? Hätte er sich vielleicht auch dem Materialismus bedingungslos hingeben sollen? Wäre eine berufliche Kariere, die morgens in dem grellen Energiesparlampenlicht, mit einer Tasse Kaffee und Zigarette, im Büro beginnt und auf dem Sofa vor dem Fernseher, in dem Serien über ferne Länder laufen, endet, die beste Aussicht auf dauerhafte Zufriedenheit gewesen? Seine braune und faltige Hand wandert begleitet von leichtem zittern an seinen Hals, greift langsam unter sein T-shirt und zieht den Anhänger seiner Halskette in Form eines Surfbrettes, den er damals am Strand von Kreta mit seinem guten Kumpel erworben hat, hervor und hält in so fest in seinen, von Sonne geprägten Händen, dass sich deutlich die Adern in seinem Handrücken zum Vorschein drücken. Dan beschließt, seine Gedanken nun zu beenden und lieber wieder die Erinnerungen zu aktivieren.

Wenn Dan und Tosh mit ihren Surfershorts und Barfuss die kalten und anonymen Wege der Innenstadt begehen, begegnen ihnen ständig die Blicke der Passanten, die ordentlich und korrekt gekleidet sind und der gewöhnlichen Einbahnstrasse des Alltags folgen. Diese Blicke sind kalt und ohne Freude. Man hat das Gefühl, als müsste man sich, für das was man fühlt und lebt, rechtfertigen. Sollte diese Situation in einem Film dargestellt werden, würden Dan und Tosh von der Sonne beleuchtet werden und um sie herum, würde ein grauer Himmel den Regen auf die Erde peitschen, um den restlichen Menschen die Bestätigung ihrer schlechten Laune zu geben. Aber genau diese Tatsache bringt die Jungs immer wieder zum Lachen. Denn sie wissen, sie schlafen mit einem Grinsen auf den Lippen ein und beginnen den nächsten Tag nicht mit dem Wunsch, dass er bereits wieder zu Ende wär. Diese kurzen Abstecher in die Stadt sind für die Beiden allerdings auch nur so häufig, wie eine Sonnenfinsternis. Der Strand ist ihre Welt, ihr Zuhause und ihre Ladestation, die die positive Energie wieder auflädt. Heute Abend soll der Strand auch zusätzlich noch der Veranstaltungsort einer Beachparty werden.  Denn wenn man durchgehend am Strand die Tage verbringt, lernt man immer viele Leute kennen und mit jeder Person die man kennen lernt, lernen die beiden auch wieder etwas Neues über das Leben. Dafür sind sie so dankbar, dass es eine Party gibt. Die Lokation ist nahezu perfekt. Am Rande grenzen die Palmen die Partyfläche ein, das Meer wird am frühen Abend in einem leichten Weinrot, von der untergehenden Sonne verfärbt und der Strand spendet bis in die später Abendstunden noch Wärme und einen weichen Untergrund für die Füße. In der Mitte wird natürlich ein kleines Lagerfeuer eröffnet und der Abend wird durchgehend mit Musik aus der Ukulele sowie Gitarre und Bongos begleitet.

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Für Menschen aus der Stadt mag dies vielleicht nicht nach einer gewöhnlichen Party klingen, aber was ist schon im Leben am Strand gewöhnlich. Der Fokus liegt an einem Abend wie diesen, ganz klar auf der Gemeinschaft, der guten Laune und der Unbeschwertheit. Es ist einfach eine kleine Gruppe von jungen Menschen, die ihren Kopf nicht mit irgendwelchen unnötigen Gedanken zersprengen, denn schließlich würde ja auch keiner freiwillig ein neu-gekauftes Fahrzeug gegen die Wand des eigenen Eigentumshaus fahren. Wenn man nicht gerade ein Gespräch über die Wellen der letzten und nächsten Tage führt, und auch die leichten Flirtversuche eher mit einem verlegenen Blick auf den Boden enden, statt sich erfolgreich in den Armen zu liegen, dann schaut man völlig verträumt in das Flackern des Lagerfeuers. Man sieht, wie vereinzelt ein Funken sich aus der Feuermaße löst und dem Himmel in gegen fliegt. Die Farbverläufe in der Flamme scheinen nicht zu enden und das gesamte Bild bewegt sich elegant hin und her. Untermalt wird das Feuer noch von einem leichten knacken hier und einem warmen zischen da. Die Färbung des Meeres ist mittlerweile verschwunden und am Himmel eröffnet sich eine neue Welt. Die Bewohner des Himmels scheinen so greifbar nah zu sein, doch ihr Funkeln ist vielleicht schon lange erloschen. Wenn man sich die Sterne in ihrer Schönheit und Wahrhaftigkeit so anschaut, kann man sich schnell den Gedanken bewusst werden, dass die Vergänglichkeit so gegenwärtig  ist, dass die Zeit zu kurz ist, sich in verschiedenen Gewändern zu präsentieren.

Writer: Patrick Reiner
Land: 24340 – Deutschland
Kategorie: Offene Kategorie

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10 Kommentare zu „Der Beach liebende“

  1. Steffi sagt:

    wow sehr schöner artikel mit tollen fotos! würde gerne noch mehr lesen… ;0)

  2. Matthi sagt:

    ja ist eine sehr gelungene geschichte.

  3. Nina sagt:

    Wow da bekommt man gleich Lust wieder in den Süden zu fliegen ;-) )
    Echt eine sehr schöne Geschichte!

  4. Frank sagt:

    Sehr COOL

  5. Kristof sagt:

    Echt coole Geschichte, hat Spaß gemacht sie zu lesen!

  6. Hendrik sagt:

    Super Geschichte!

  7. SURFHUND sagt:

    Ja schreib noch was :)

  8. Patrick sagt:

    Also wenn ich einen der Hauptpreise gewinnen sollte, würde ich vielleicht
    n Buch schreiben :)

  9. Need ya voice « sagt:

    [...] einfach auf http://surfhund.at/surfgeschichte-der-beach-liebende, lies meine Geschichte und dann bewerte sie hoffentlich mit 5 [...]

  10. freeeze sagt:

    hey,
    das ist doch mal eine schöne story.

Surfhund

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