Glücks- und Schreckensmomente
von Matthi
“Dich nehm ich!” Umgedreht, aufs Brett gelegt, nochmals ein kurzer Blick zurück über die Schulter und ich paddle los. “Yess, die nimmt mich mit.” Noch zwei, drei Armzüge und plötzlich steh ich auch schon. “So leicht ist das noch nie gegangen!” Wie in Zeitlupe hochgedrückt, die Füße aufs Brett gesetzt. Nicht ein Gedanke im Kopf, mich könnt’s runter schmeißen. Wie fest geschweißt steh ich am Brett. Und auf einmal gleite ich dahin. Und die Fahrt dauert länger, immer länger. Keine Ahnung warum es gerade jetzt funktioniert, aber der Surfritt dauert viel länger als je zuvor. Ich steh komplett sicher am Brett, hab sogar Zeit mich umzuschauen. Glückshormone schießen ins Blut. Ein Blick über die Schulter, ich sehe die Welle, die mich trägt – das Gefühl einfach sensationell. Sportwissenschafter würden es wohl als “Flow” bezeichnen. Mit geballter Faust und einem Freudenschrei spring ich am Ende der Fahrt ins Wasser. Meine erste richtige WELLE!
Der Weg dahin war lang. Die erste Surflektion in Byron Bay, gleich hinter dem Felsen da vorne, allerdings vor etlichen Wochen, noch allzu gut in Erinnerung. Dann vor eineinhalb Wochen mein erstes Surfbrett erstanden und seitdem üben, üben. Stundenlang nur im Weißwasser – dem Schaum der bereits gebrochenen Wellen. Dann der eine oder andere Versuch, eine Welle schon vor dem Brechen zu schnappen – bitterst gescheitert, umgekippt, abgeworfen, waschmaschinenmäßig an den Strand gespült. Zurück an den Anfang, ins Weißwasser. Dann, einmal ein Aha-Erlebnis und das Aufstehen halbwegs gecheckt. Wieder raus zu den größeren Wellen und dann schon mal hin und wieder eine erwischt – das Aufstehen aber nicht wirklich hingekriegt, weil das Tempo ein bissl höher ist als im Weißwasser. Aber jetzt – auf einmal klappt’s.

Noch voll aufgeputscht vom besten Surferlebnis meiner „Karriere“ paddle ich wieder raus zu den anderen Surfern, als auf einmal ein weiterer Wunschtraum von mir in Erfüllung geht – zwei Delfine, die zwischen uns auf- und abschwimmen. “Groß sind die Dinger!” Und wenn die Rückenflosse mit einem Zischen die Wasseroberfläche durchschneidet – ungewohntes Geräusch. Kaum sind die Delfine weg, als ein Surfer ruft: “Schau, noch ein Delfin!” Aber der ist ein bissl kleiner als die anderen, er kommt auch nicht ganz an die Oberfläche – eigentlich schaut der auch anders aus… “Nein, das ist ein kleiner Hai!”, hör ich den Typen plötzlich sagen.

“Verdammt, ein Hai!” Mein Puls schießt wieder in die Höhe, diesmal aber nicht vor lauter Glück, sondern eher vor Angst, nein – um meinen Cousin Lenz zu zitieren – vor Respekt. Angst muss man nur vor Starkstrom haben. Zu meiner Verwunderung reagiert keiner der anwesenden Surfer mit einer Art Fluchtsyndrom. Alle bleiben wo sie sind. “Gut, dann kann ich auch nicht anfangen, wie ein Verrückter gen Ufer zu rudern – wie würde das ausschauen?” Bleib ich halt auch im Wasser – allerdings jederzeit bereit, mich in Bruchteilen von einer Sekunde flach aufs Brett zu legen, damit der Hai meine im Wasser wackelnden Beine oder Hände nicht mit seinem Mittagessen verwechselt.

Aber erfreulicherweise kennen die Surfer hier ihre Tiere. Schon nach kurzer Zeit verdrückt sich der anscheinend weder hungrige noch angriffslustige Hai wieder. Und das Surferlebnis kann wieder voll genossen werden. Am Brett sitzend schaukle ich im Meer, blicke an den Horizont, beobachte die Dünung, wie sie sich das Meer aufbäumt und wieder flacher wird. Häufig paddle ich umsonst, weil ich die Welle nicht erwische oder weil es mich beim Versuch aufzustehen wieder mal zerlegt. Aber das ist alles vergessen, wenn es auf einmal wieder dahingeht, ich mich dahintragen lasse – lachend übers ganze Gesicht.
Writer: Bernhard Beyer
Land: 1130 – Österreich
Kategorie: Offene Kategorie










(151 Stimmen, Durchschnitt: 3.60 von 5)

22. Februar 2010 um 13:19 Uhr
***** 5, in Worten FÜNF, Sterne sind gerade gut genug!
22. Februar 2010 um 13:30 Uhr
Berni, absolut gelungener Artikel!!!
Allein für den Mut, dass du dem Hai “in die Augen” geschaut hast, bekommst du natürlich 5 Sterne von mir.
Alles Gute weiterhin!
Dein Moya
22. Februar 2010 um 13:51 Uhr
***** ganz klar!
22. Februar 2010 um 14:07 Uhr
22. Februar 2010 um 14:14 Uhr
Hi Bernhard,
mehrmals gelesen und für “würdig” empfunden. Mut kann man nicht kaufen!
Alles Liebe
22. Februar 2010 um 14:35 Uhr
*****, fünf Sterne für “Der mit dem Hai tanzt”;
Bali wäre für diesen Artikel angemessen;
22. Februar 2010 um 15:08 Uhr
***** super artikel berni!
22. Februar 2010 um 15:32 Uhr
***** Sterne für den tollen Artikel… Sommer, Sonne, Strand,… kann kommen…
22. Februar 2010 um 15:42 Uhr
Ni hao
Geile Sache! eh kloa.
Mir wird vor lauter Sternderl (sollten mehr als 5 sein) schon ganz schwindlig.
P
22. Februar 2010 um 16:48 Uhr
Lieber Berni,
ich wußte gar nicht, welche Abenteuer Du beim Surfen schon erlebt hast – ein wahrer Held.
Die Geschichte macht Gusto auf´s Surfen.
***** fünf Sterne!
Liebe Grüße, Friedl
22. Februar 2010 um 17:11 Uhr
Berni, ein gelungener Artikel und deshalb absolut gerechtfertigte 5 Sterne *****!
Liebe Grüße!
Doris
22. Februar 2010 um 17:56 Uhr
reminds on the time we catched up in aussiland
great story – good luck!
22. Februar 2010 um 17:58 Uhr
5 stars for you *****
22. Februar 2010 um 20:43 Uhr
Great job Berni!
5 Sterne for sure!
22. Februar 2010 um 20:47 Uhr
Hey Surfer…
Der Artikel is weltklasse…so real dass i grad selber glaubt hab i sitz am Brettl.
***** 5 stars…cu on court
lg geox…der schuh deratmet
22. Februar 2010 um 20:54 Uhr
***** very cool
22. Februar 2010 um 22:13 Uhr
Spannend wie Don Braun!
Hast mich motiviert,
Udo
22. Februar 2010 um 22:53 Uhr
also unter 5 sternen sicher nicht, ich gebe 5 sterne
23. Februar 2010 um 08:15 Uhr
Coole Sache ganz klar 5 Sterne
23. Februar 2010 um 10:25 Uhr
Wenn ich groß bin, bin ich hoffentlich auch so cool – 5 Punkte
23. Februar 2010 um 11:43 Uhr
Hi Hai, Superstory – sterneverdächtig! Der Sommer kann kommen!
23. Februar 2010 um 12:20 Uhr
von mir natürlich *****
spannend und aufregend geschrieben
23. Februar 2010 um 13:20 Uhr
hey berni! lässige gschicht. mit delfinen zu surfen war für mich wie weihnachten und ostern zusammen – yeeaaa!
Ride on, da chri
23. Februar 2010 um 20:06 Uhr
***** fünf Sterne für den Star am Surfbrett
24. Februar 2010 um 10:10 Uhr
Ich geb dir 5 von 5 Sterne, weil du ja nicht nur Tennisspielen kannst !!
24. Februar 2010 um 12:40 Uhr
***** Deluxe
25. Februar 2010 um 00:27 Uhr
vielleicht klappts mit dem aufstehen besser, wenn die haitschis hungry sind
lg
G.
25. Februar 2010 um 21:07 Uhr
*****
ob der kleine haifisch nur wegen der lichtbrechung unter der wasseroberfläche so klein ausgeschaut hat???
25. Februar 2010 um 21:11 Uhr
5* – was anderes hätt ich von dir auch nicht erwartet ;o)
28. Februar 2010 um 15:57 Uhr
Ich warte schon auf die Fortsetzung, wie der Kleine den großen Bruder holt!
Es waren lieder nur fünf Sterne möglich.
28. Februar 2010 um 18:09 Uhr
Hai Berni!!
Lässiga Artikel! Is auf alle Fälle 5 Sterne wert!
Na viel Glück dann!
mfg
1. März 2010 um 19:41 Uhr
***** superior – 5 Sterne wären nicht genug für den Artikel;
2. März 2010 um 11:02 Uhr
Sehr gelungen! 5 Sterne!!!!