Von Karin, Schildkröten und Surferdudes
von Matthi

Writer: Shaun Flus
Surfen - der Ozean endläd seine Energie gegen die Küste. Genau da bin ich. Nur ich, mein Surfboard und die Welle. Geschmeidig reite ich sie ab und mit einem Lächeln komme ich an den Strand. Wo ich eh der coolste Hund weit und breit bin. Genau so hatte ich mir das vorgestellt mit dem Surfen, als ich zum erstenmal hoffnungsfroh an der Atlantikküste einschlug. Aber irgendwie war alles anders.
Ich wurde mit schlecht sitzenden Neoprenanzügen konfrontiert. Mein Leihboard war ein extrem schwerer Plastikbomber und die Weißwasserwalzen in der Brandung warfen mich meistens um. Als ich dann nach einem Tag und unermeßlichen Anstrengungen tatsächlich mal schaffte eine mickrige Weißwasserwalze ein paar Meter in Richtung Strand zu begleiten, war das alles andere als ein episches Gefühl und an den verächtlichen bis mitleidigen Blicken der einheimischen Surfer mit ihren schlanken Shortboards konnte ich ablesen, daß es auch nicht so gut ausgesehen hat. Also beschloß ich die Sache professionell anzugehen. Ein Surfkurs mußte her, der war auch schnell gefunden. Sogar mit einem deutschsprachigen Surflehrer und einigen Mädels im Kurs, die sicher dafür sorgen würden, daß ich nicht so schnell aufgeben würde.
Auf dem Campingplatz waren eine Menge andere Leute von überall her, die von den Klamotten und von dem wie sie redeten den Anschein machten, als würden sie genauso gut surfen können wie die Einheimischen. Aber bei genauerer Betrachtung mußte ich feststellen, daß sie auch so unförmige Plastikbretter wie ich hatten oder einen Anfängerkurs gebucht hatten.
Abends beim Bier reihte ich mich bei den Surfergeschichten mit ein und hörte mich nach dem dritten Bier auch reden, daß ich eine überkopfhohe Welle schön im Grünen erwischt hatte, die aber recht schnell zugemacht hatte. Natürlich ohne jede Ahnung was das mit dem Grün und Zumachen eigentlich bedeutete.
Die Motivation jetzt richtig anzugreifen war am Nächsten morgen enorm, leider mußte ich feststellen, daß das lauwarme Bier, das man am Campingplatzkiosk kaufen konnte, leichten Schaden in meinem Kopf angerichtet hatte. Außerdem taten meine Arme und Schultern so weh, daß ich sie kaum heben konnte. Aber egal. Das Ziel war verlockend und da war ja noch dieses Mädchen mit den geheimnisvollen grünen Augen, die auch bei mir im Surfkurs war und mir gestern noch bei einem Abschiedsgruß zugelächelt hatte, bevor sie in ihr Zelt verschwand.
Ich glaube unsere Gruppe hat am Strand einen ziemlich traurigen Eindruck gemacht. Dreizehn noch nicht besonders gebräunte Leute, mit schlecht sitzenden Neoprenanzügen und Boards die schon mal bessere Tage gesehen hatten, das konnte selbst die dicke Schicht aus Wax und Sand auf der Oberfläche nicht kaschieren. Am Strand mußten wir uns dann völlig der Lächerlichkeit preisgeben. Mitten unter lauter gaffenden Touristen und vor den Augen vieler anderer Surfer, die bereits im Wasser saßen, machten wir Aufstehübungen. Als ob ich als routinierter Skate und Snowboardfahrer nicht wüßte wie man auf einem Board steht. Aber auch Karin, so hieß die Geheimnisvolle mit den grünen Augen, machte die Übung und schaffte es sogar dabei noch elegant auszusehen und so versuchte auch ich diese mit der größtmöglichen Lässigkeit zu bewältigen.

Dann schickte uns Benny, unser Surflehrer ins Wasser und schon wieder war der schier aussichtlose Kampf mit den pausenlos einlaufenden Weißwasserwalzen da. Fluchend biß ich die Zähne zusammen. Hob das Board nach oben und ging weiter ins Wasser. Aber vielleicht hätte ich am Strand besser auf den Surflehrer hören sollen, als mir Gedanken darüber zu machen, wie ich es am lässigsten beim Aufstehen mache und wie hübsch doch Karin war. Ich hielt das Board vor mich und mit einem Mal fühlte es sich so an, als würde ein SEK Kommando der Polizei die Tür aufbrechen, hinter der natürlich genau ich stand. Ich sah Sternchen, schluckte Wasser und rappelte mich benommen wieder auf. Genau in diesem Moment fuhr Karin auf einer kleinen Weißwasserwelle an mir vorbei. Etwas ungelenk zwar, aber ihr Lächeln im Gesicht machte das wieder mehr als wett. Wow. Jetzt gilt es, dachte ich mir und mobilisierte meine letzten Kraftreserven. Das Meer honorierte das erst mal gar nicht. Entweder liefen die Wellen einfach an mir vorbei, oder die Spitze meines Boards tauchte unter und die Welle schleuderte mich nach vorne. Und dann immer dieses “Paddel Paddel Paddel” Geschrei von dem Surflehrer, der, so schien es mir, auch ein Auge auf Karin geworfen hatte. Na warte, dachte ich mir, ging extra weit raus und suchte mir eine besonders hohe Welle aus, wenn man diesen Begriff bei etwa ein Meter hohen Schaumwalzen überhaupt verwenden darf. Ich paddelte, als wäre ein Hai hinter mir her. Auf einmal wurde ich richtig schnell. Wahnsinn. So schnell, daß ich gar nicht dran dachte aufzustehen. Erst als es langsamer wurde, stand ich auf. Das Brett fuhr noch ein bißchen, wackelte und kurz vor dem Stillstand flog ich runter. Aber mein Ehrgeiz war geweckt. Geht doch.

Am Ende des Tages trafen sich alle auf dem Campingplatz. Ich war schon ganz gespannt, Benny hatte am Strand gefilmt und versprochen unsere Rides heute Abend zu zeigen. Ich machte mich im Waschraum vom Campingplatz noch etwas fein und zog meine coolsten Surferklamotten an. Leider waren meine Haare momentan nicht lang genug um die dicke Beule von meinem ungeschickten Boardkontakt zu kaschieren, aber ich beschloß sie mit Stolz zu tragen. Das stellte sich später als kluge Entscheidung heraus, Karin entpuppte sich als angehende Tiermedizinerin im zweiten Semester und versprach mir später eine gute Salbe gegen die Blessuren zu holen. Vor der Videovorführung ergatterte ich ein Platz neben ihr und war guter Dinge als es losging. Leider hatte die Action auf dem Schirm rein gar nichts mit den coolen Surfvideos zu tun, die man sonst so sieht. Ganz schön lahm das Weißwassergerutsche. Endlich war ich auch mal zu sehen. Aber oh weh? War das wirklich ich? Absolut ungelenk eierte da jemand langsam und wackelig mit durchgestreckten Beinen und nach vorne gebeugtem Oberkörper vor einer Minischaumwalze. Ich wäre am liebsten in den Boden versunken. War das schlecht. Karin merkte wohl meine Enttäuschung, lächelte mich an und baute mich mit einem “habe aber auch bessere Wellen von dir gesehen” wieder auf. Gut, daß ich mit meinem leichten Sonnenbrand nicht noch weiter rot werden konnte. Karin war super. Wir quatschten noch eine Weile, dann holte ich mir ein neues Bier in Vorfreude auf einen netten Abend. Leider war mein Platz besetzt als ich wiederkam. Benny hatte sich neben Karin gesetzt und erzählte ihr von Surftrips in exotische Länder und wilden Abenteuern da. Ich schäumte vor Wut. Der Affe soll sich schleichen mit seinen Angebergeschichten. Leider hörte ihm Karin fasziniert zu.

Morgens aufstehen war immer ein Graus. Fast mein gesamter Oberkörper schmerzte, besonders ein arges Ziehen zwischen den Schulterblättern und der Muskelkater in den Oberarmen. Aber die Aussicht ein richtig cooler Surfdude zu werden, wog das mehr als auf. Ich ging wieder hoch motiviert an den Strand. Nach einer Theoriestunde ging es wieder raus aufs Wasser und siehe da, mit dem Weißwassergerutsche klappte es mittlerweile richtig gut und auch meine Technik gegen die Wellen rauszukommen wurde besser. Außerdem versuchte ich beim Fahren in den Knien zu bleiben und den Oberkörper gerade zu halten, um den Style zu wahren. Karin sah ich am Abend leider nicht. Sie war mit Freundinnen in ein Shopping Outlet in der Nähe gefahren und wollte danach noch in eine wohl legendäre Surferbar in der Ecke vorbeischauen. Sie hatte mich netterweise gefragt, ob ich mitkommen will und meine Beule mit einer Salbe versorgt. Aber bei aller Liebe, eine Shoppingtour mit noch drei anderen Mädels tu ich mir nicht an. So gab’s das übliche Abgehänge am Campingplatz mit Bier und den vielen Geschichten übers Surfen wo jeder sein Halbwissen zum Besten gab. Als das Bier in meinem Körper einen unangenehmen Druck in meiner Blase erzeugte, stand ich auf, um diesen umgehend loszuwerden. Ich kam dabei an dem Küchenzelt des Surfcamps vorbei. Ein bekannter süßlicher Geruch stieg in meine Nase. Neugierig schlich ich mich an. Benny und die anderen Surflehrer hatten sich ins Zelt zurückgezogen und frönten einer dicken Enspannungszigarette. Ich lauschte an der Zeltwand. Die Jungs unterhielten sich über ihre Surfschüler, wer es packen könnte ein Surfer zu werden und wem sie keine Chance gaben. Mein Herz schlug schneller. Wehe Burschen, wenn ihr mich bei den Loosern dazuzählt, dann hat euer Berufstand auf ewig bei mir ausgeschissen. Aber als ich die Namen hörte, mußte ich ihnen schon recht geben. Da waren schon einige Grobmotoriker, Übergewichtige und Memmen dabei, bei denen ich auch arge Bedenken hatte, ob die jemals den Sprung zum coolen Surferdude schaffen würden. Dann wurde es noch spannender. Die Surflehrer sprachen über die Mädels. Sie steckten ihre Favoritinnen ab und setzten Pole Positions. Als Benny Karins Namen aussprach traf es mich wie ein Schlag. Du Hund! Also doch ! Aber ich bekam eine wertvolle Zusatzinformation. Benny sagte, er wolle sie erst zwei bis drei Tage vor der Abreise klarmachen, nicht daß das dann noch in Streß ausartet. Ich war gewarnt. Dieser miese Surflehrerschuft wollte meine Karin klarmachen, natürlich ohne aufrichtige Gefühle, sondern nur zum Spaßgewinn. Wahrscheinlich hätte er eine Woche nach ihrer Abreise ihren Namen schon wieder vergessen. Die Vorstellung, daß Benny Karin in seinem angeranzten Surfbus vernaschen könnte und ich zusehen müßte wie der Bus in leichte Schaukelbewegungen versetzt wird, war mir sehr zuwider. Aber ich hatte ja noch zwei Tage Zeit um meinerseits Karins Herz zu gewinnen.
Am nächsten Tag wurde unser Surfkurs geteilt. Ein Teil durfte versuchen mit Benny hinter die Zone wo die Wellen brechen, ins richtige Line up, zu paddeln. Der andere Teil mußte weiter Weißwasser rutschen. Mein Namen wurde von Benny aufgerufen, Karins auch, was wir uns beide mit einem Lächeln quittierten. Diejenigen die nicht aufgerufen wurden, ließen die Köpfe hängen. Ich dagegen fühlte mich gleich ein Stückchen mehr als Surferdude, als Benny die Anweisung gab “Wir warten auf eine Setpause und paddeln dann durch den Channel raus”. Dank der täglichen Theoriestunden kannte ich mich mittlerweile ein bißchen in der Surfersprache raus. Ich blieb immer so dicht wie möglich hinter Benny und kämpfte gegen meinen schmerzenden Körper. Vor allem meine Rippenbögen schmerzten bei jedem Schlag, den sie vom Brett im unruhigen Wasser bekamen. Von meinen Oberarmen und Schultern ganz zu schweigen. Doch auf einmal wurde alles ganz ruhig. Keine Schaumwalzen mehr. Glattes klares Wasser. Wir waren hinter der brechenden Zone. Ein euphorisches Gefühl. “Beine zusammen und Oberkörper hoch wenn du im Line up bist !” fuhr mich Benny an. Stimmt, hatte ich ganz vergessen. Anfänger erkennt man immer, daß sie wie eine Schildkröte auf dem Board liegen. Die Dudes preßten ihre Fersen zusammen und streckten den Oberkörper nach oben.

Im Line up saßen schon gut zwei Dutzend Surfer. Meine Ankunft wurde leider vollständig ignoriert. Aber ein “Hallo, toll daß du es ins Line up geschafft hast”, hatte ich gerade von den Einheimischen auch nicht erwartet. Ich versuchte mich wie alle anderen auf mein Board zu setzen, die kleineren Wellen unter mir durchlaufen zu lassen und cool in Richtung Horizont zu schauen. Leider war das gar nicht so einfach mit dem Gleichgewicht, aber ich bekam es irgendwie hin. Ganz so stylisch wie die Surfdudes sah es bei mir eh nicht aus. Bei den anderen war das Brett komplett unter Wasser und bei mir schaute eine unförmige schwarze Gumminase mitsamt einem Teil des schon arg ramponierten Plastikboards aus dem Wasser. Aber egal, hier war ich nun unter den Surferdudes. Sehr cool, kein Ankämpfen mehr gegen das Weißwasser sondern entspannt im Wasser sitzen und auf seine Welle warten. Tja, Pech gehabt liebe Kameraden dachte ich, als ich meine ehemaligen Mitstreiter immer noch im Weißwasser kämpfen sah. Doch nun mußte die erste Welle her. Benny hatte uns ganz eindrücklich die Vorfahrtsregeln eingetrichtert. Demnach hätte ich nie eine Welle bekommen können, links und rechts saß immer jemand neben mir und wenn eine brauchbare Welle kam, paddelten die auch immer an. Und überhaupt. Wann befinde ich mich als Nächster am brechenden Punkt? In welche Richtung würde die Welle laufen? Wer hatte sich die schwachsinnigen Vorfahrtsregeln einfallen lassen? Bei uns fährt man ja auch nicht auf eine Kreuzung zu und muß dann in Sekundenbruchteilen entscheiden ob das Auto rechts, links oder man selber Vorfahrt hat. Benny hatte uns zwar eindringlich geschildert, was einem passieren kann, wenn man die Vorfahrtsregeln nicht beachtet, aber ich hatte kein Auto dabei, wo man die Reifen abstechen oder die Scheibe einschlagen könnte. Und was ist ein Schlag auf die Mütze gegen die erste richtige Welle des Lebens? Also beschloß ich einfach eine zu nehmen, egal was kommen sollte. Schließlich rollte eine besonders hohe Welle an. Alles oder nichts, beschloß ich und paddelte wie ein Wilder los. Komisch, kein anderer paddelte die Welle an. Die Welle saugte mich hoch. Wild entschlossen paddelte ich weiter. Bloß nie aufhören, hatte Benny gesagt. Doch ehe ich nur ans Aufstehen denken konnte, brach die Welle und schleuderte mich herunter auf die Wasseroberfläche. Mein Impact kam mir so vor wie wenn mich einer mitsamt Board vom Dreimeterbrett geschmissen hätte und das komplette Schwimmbad dann nachgeschüttet hätte. Ich wurde wild hin und her geschleudert und rang nach Luft. Ich bekam Panik. Wo ist nur die Wasseroberfläche? Am Ende meiner Kräfte merkte ich, daß es ruhiger und heller wurde.

Hustend und völlig K.O. schnappte ich nach Luft. Mit den nächsten Wellen lies ich mich an den Strand treiben und legte mich erstmal hyperventilierend in den Sand. Was war das denn nur gewesen? Plötzlich tauchte ein Schatten neben mir auf. Es war Karin “Alles klar bei dir?” fragte sie. Mühsam richtete ich mich auf. Nun bloß nicht durchhängen. Wer jammert wird nie ein richtiger Surferdude. So erzählte ich ihr erstmal vom schönen Gefühl im Line up zu sitzen und erwähnte nur beiläufig meinen Impact. Karin hatte es leider nicht durch den Shorebreak geschafft und war im Weißwasser geblieben. Obwohl ich eigentlich fix und fertig war und mir der ganze Körper einschließlich meiner Lungen weh tat, hatte ich nicht vergessen, daß ich bei Karin ein bißchen Gas geben mußte. Also bot ich Karin an, daß wir ja noch mal zusammen versuchen könnten ins Line up zu gelangen. Und da heute eh schon alles egal war und ich die dickste mögliche Ohrfeige bereits vom Meer bekommen hatte, fügte ich verwegen ein Angebot hinzu. Für den Fall, daß wir es schaffen war sie mir eine Massage schuldig, wenn nicht, dann würde ich sie massieren. Karin willigte ein und ich fühlte mich mindestens genauso gut wie nach drei Strikes im Bowling hintereinander. Also gingen wir wieder ins Wasser und versuchten unser bescheidenes Wissen über Channels und Setpausen umzusetzen. Aber irgendwie klappte es nicht wirklich. Wir wurden immer wieder abgetrieben und landeten nicht da wo wir hinwollten. Schließlich gaben wir auf und paddelten noch gemeinsam ein paar kleine Weißwasserwellen an. Das brachte eine Menge Spaß. Außerdem hatte ich mal auf einem GALA Cover Kelly Slater gesehen, wie er Cameron Diaz im Weißwasser die Hand hält. Für einen edlen Zweck darf ein Surferdude mit seiner Herzensdame auch mal im Weißwasser planschen.
Später gab es dann auf dem Campingplatz das obligatorische Tagesvideo und ich machte es mit Karin und einem kalten Bier bequem. Immerhin hatte keiner von denen, die es ins Line Up geschafft hatten, was gerissen. Dann kam meine Szene. Ich sah einen kleinen schwarzen Punkt der von einer Welle blitzschnell so was von durch die Gegend geschmissen wurde. Die Szene war der Lacher des Tages und wurde sicher ein halbes Dutzend Mal in Zeitlupe vor und zurück gespielt. Ich erfuhr, daß ich “over the falls” gegangen war und bekam einen neu geschaffenen Award für den härtesten Wipe-Out des Tages. Nun kannte mich wirklich jeder im Surfcamp aber statt Spott über einen solchen unrühmlichen Abgang, schlug mir von allen Seiten Respekt entgegen und selbst die obercoolsten Surflehrer stießen mit mir an. Aber ich hatte ja noch eine andere Mission heute und Karin drängte sogar mit einem “Können wir dann?” ein bißchen. Und so landeten wir in Karins Zelt. Ich schaute artig weg, als sie ihr Bikinioberteil auszog und machte mich daran, ihren Rücken zu verwöhnen. Nun nur nichts falsch machen. Sorgsam reinigte ich die Body Lotion Tube von der auf dem Campingplatz unvermeidlichen Sandkruste am Verschluß. Ich wärmte die Lotion in meinen Händen vor und fing an. Zwischendurch fragte ich öfters ob es so paßt. Irgendwann hörte ich nur noch ein zufriedenes Schnurren. Mir dagegen war alles andere als zum Schnurren zumute, auch wenn ich in diesem Moment mit nichts hätte tauschen wollen. Meine Arme und Schultern schmerzten beim Massieren so sehr vom Muskelkater und von den Verspannungen, daß ich mir auf die Zunge biß, um mir nichts anmerken zu lassen. Aber irgendwann massierte ich mich in Trance und vergaß die Schmerzen über Karins schönem Rücken. Nur Karin war irgendwann eingeschlafen und so weckte ich sie, indem ich ihr sanft ins Ohr pustete. Wir beschlossen noch ein Bier mitzunehmen, uns noch ein bißchen in die Dünen zu legen und in die Sterne zu schauen. Gerade als wir den Campingplatz verlassen wollten kam uns Benny entgegen. Der sah natürlich seine Felle davon schwimmen und versuchte noch Karin mit dem gemeinsamen Schauen einer neuen Surf DVD zu locken, aber Karin vertröstete ihn mit einem “Ein andermal sehr gerne”.

Auf der Düne schauten wir tatsächlich nur in die Sterne. Ich bin jetzt ein Surfer und mein Leben ist im Fluß. Ich brauch nur Gelassen sein und alles kommt von selber. Also legte ich es gar nicht auf ein wildes Geknutschte und Gefummel an, wie man es in und um den Campingplatz bei den Jugendfreizeitteilnehmern oft sah. Auf dem Rückweg hielten wir unsere Hände und Karin verabschiedete sich mit einem Kuß in ihr Zelt.
Am nächsten Tag stand ich dann zwar immer noch mit meinem schlecht sitzenden Neoprenanzug und meinem zerbeultem Plastikbrett da, fühlte mich aber viel besser. Aber was würde Benny nun sagen? Würde er mich wieder mit ins Line up nehmen oder von nun an schneiden? Aber da schau her – Benny empfing mich mit Handschlag, einem “Glückwunsch Alter” und “heute wird auch dein Tag beim Surfen”. Bingo. Mit soviel Rückenwind ging’s auch easy ins Lineup. Anstatt mich zu schneiden war Benny sogar sehr oft neben mir und gab mir genaue Anweisungen welche Welle ich wann anpaddeln sollte. So bekam ich einige Wellen. Leider schoß ich immer erst auf dem Bauch die Welle herunter, bevor ich dann aufstehen konnte, als die Welle schon gebrochen war. Am Ende hatte es auch Karin durch den Shorebreak geschafft, wir saßen nebeneinander im Line up und es war ziemlich cool.

Mit Karin war die Sache nun geritzt. Wir lagen nach dem Surfen lange zusammen in der Camphängematte, sie kraulte mir den Nacken und wir hingen auch so zusammen viel ab. Sie des Nächtens in mein Zelt einzuladen sparte ich mir. Die Privatsphäre mit den dünnen Zeltwänden war nicht gerade geschützt und es passierte nicht selten, daß total besoffene Teenager in ein Zelt stürzten oder laut “Räuber Hotzenplotz” rufend an den Zelten rüttelten.
Aber eins war für mich nur klar. Ich würde Surfer werden und mein Leben nun fortan so ausrichten, daß ich möglichst viel Zeit im Wasser verbringen kann. Benny gab uns viele Tipps wo man in der Welt billig und gut surfen kann und gemeinsam mit Karin schmiedete ich Pläne an welcher Uni in Meernähe wir zusammen ein Auslandssemester verbringen könnten.
An unserem letzten Tag im Surfcamp war gingen wir nochmals über den Campingplatz in Richtung Meer. Ein großer Reisbus kam gerade an und spuckte viele Neuankömmlinge aus. Ein Bursche in meinem Alter sprach mich in breitem Schwäbisch an. Er hatte die neusten Surferklamotten an, aber an seinem Blick erkannte ich, das er noch nie gesurft hatte. Es klang in etwa so wie “Isch där Schwäll bei Hai Taide gut?”, aber ich merkte, daß er nicht wirklich wußte was er da sagte. Ich blickte Richtung Meer. Dann antwortete ich mit “Die wave period könnte länger sein und manchmal nervt der onshore, aber es kommen auch gute Sets durch. Man sollte nur aufpassen, daß man nicht ins close out dropt”. Karin mußte lachen, kniff mich in die Seite und wir gingen ein letztes Mal zum Strand.
Writer: Shaun Flus
Land: 82166 - Deutschland
Kategorie: Offene Kategorie












27. Januar 2010 um 10:49 Uhr
Wow ! Ich glaub ich muss auch mal in ein Surfcamp !!! Kann man das Package genau so wie oben irgendwo buchen ???
27. Januar 2010 um 11:07 Uhr
Wenns genau das gleiche sein soll, dann http://www.missiontosurf.at das is an der Atlantikküste;)
…eine Karin gibts zu jedem Camptermin
4. Februar 2010 um 18:07 Uhr
Komisch, bei den anderen Artikeln konnte ich voten, aber nur bei diesem zeigt er mir keine grünen Sterne an, wenn ich mit der Maus drübergehe. Ist der Artikel fürs voten gesperrt, oder ist das ein technisches Problem ? Ist schade, der hier ist mein Favorite !
4. Februar 2010 um 18:28 Uhr
Na dann hat heute schon wer von deinem Rechner gevotet oder von deiner IP-Adresse.
Es kann von jeder IP nur einmal pro Tag und Artikel gevotet werden. LG
14. März 2010 um 17:44 Uhr
Da ist aber schon irgendwas faul. Ich hab auch mal (zum ersten mal) gevotet und nach dem Voting stand bei dem Artikel hier 36 Stimmen und ein viel besserer Durchschnitt. Als ich dann nochmal auf den Artikel gegangen bin, war wieder 31 Stimmen und der alte Schnitt. Ist mir bei anderen Artikeln auch aufgefallen. Bei “Whatever happens” hatte ich nach meinem Voten sogar einen Schnitt von 4,74 angezeigt und einiges mehr an Stimmen. Ausserdem (wenn man diesen Artikel nimmt) hat sich demnach die Votes und die views sei 2-3 Tagen nicht mehr geändert. Ihr solltet euch das mal ganz genau anschauen. Wär ja unfair, wenn es hier aufgrund technischer Probleme zu einer “Wettbewerbsverzerrung” kommt.
14. März 2010 um 18:17 Uhr
hallo dave.
was du gerade geschildert hast hängt mit dem cache zusammen. es werden bestimmte inhalte von homepages bei dir am rechner sowie auf unserem server gespeichert, dies hat zur folge, dass die seiten schneller geladen werden.
daher kann es manchmal vorkommen, dass alte inhalte angezeigt werden – im hintergrund sind aber die daten natürlich auf den aktuellen stand…
…also keine angst, läuft also alles regulär ab.
glg euer SURFHUND
15. März 2010 um 12:24 Uhr
> …also keine angst, läuft also alles regulär ab.
Naja, also ich würde mal sagen onlinevotings sind nur technisch gesehen “regulär”. Es gibt ja immerhin eine Reise nach Bali zu gewinnen. Bei solch einem hohen Einsatz entscheidet sich das onlinevoting eh danach, wer am meisten Leute mobilisieren kann, oder will.
Da gibt es die einen, die alle ihre Freunde, Bekannten und Verwandten (und das können im Zeitalter der social networks sehr viele sein) mobilisieren für sie zu voten und dann noch allen anderen Artikeln möglichst oft noch die geringste Punktzahl geben.
Dann gibt es die anderen, die ihren Artikel online stellen, sich selber nicht bewerten, sich nicht von Freuden hochvoten lassen, aber die anderen nur aus literarischen Gesichtspunkten und nicht unter dem Gesichtspunkt die Konkurrenz ausstehen zu müssen.
Fairer kann man ein onlinevoting machen, indem nur registrierte User abstimmen lässt, oder wenn man einfach alle Votes mit der höchsten und niedrigsten Punktzahl streicht.
Aber am besten lässt man eh jemanden bewerten, der die Ergebnisse des onlinevotings nicht kennt und irgendwo ein literarischen und Surferbackground hat, ich bin sicher, dann kommt was ganz anderes raus als beim onlinevoting…
15. März 2010 um 12:41 Uhr
hallo helmut.
>>>Aber am besten lässt man eh jemanden bewerten, der die Ergebnisse des onlinevotings nicht kennt und irgendwo ein literarischen und Surferbackground hat, ich bin sicher, dann kommt was ganz anderes raus als beim onlinevoting…< <<
das stimmt natürlich, daher machen die views bzw onlinebewertungen nur einen teil der endbewertung aus.
siehe: http://surfhund.at/zwischenstand-writers-contest
“Die endgültige Bewertung der Beiträge setzt sich aus 1. der Bewertung durch eine Jury 2. die Onlinebewertungen und 3. die Views zusammen. Die Jury Bewertung wird am stärksten gewichtet.”
glg euer SURFHUND