Roti Reisebericht von Clara Zeisig5.Internationaler Murbreak Surf Contest

Von Himbeertörtchen und “pinkigen” Freunden

von Matthi

Writer: Olga Hammerschmied

Writer: Olga Hammerschmied

Thailand?
Thailand- endlich!

Und das vier ganze lange Wochen! Das Flugticket lag bei mir auf dem Tisch und ich konnte nicht widerstehen jeden Tag mindestens einmal am Tag einen Kontrollblick darauf zu werfen, aber auch, weil ich es nicht glauben konnte, dass es bald so weit ist. Eine ziemlich gute Motivation für die Arbeit, kann ich empfehlen… In zwei Wochen sitze ich also in Thaiairways und werde von einer netten thailändischen Stewardess mit einer Orchidee in den Haaren und einem langen seidigen Kleid mit asiatischen Spezialitäten verwöhnt, um meine Flugangst zu vergessen – ob das klappt weiss ich noch nicht, aber sonst habe ich immer noch den Plan B – Schlafmittel! Ich habe immer einen Plan B. Ich organisiere gerne und es muss immer alles reibungslos ablaufen. Deshalb der zweite Plan, falls mal etwas schief gehen sollte… Man weiss ja nie! Und so wie ich bin, musste ich natürlich sofort anfangen zu packen (zwei Wochen ist eigentlich schon zu wenig Zeit, wenn man bedenkt, dass ich „nur“ 30 Kilo mitnehmen kann – ich sagte mitnehmen, nicht selber tragen…), bloss kein Stress, nur keine Hektik. Ahja, der Grund meiner Reise war, dass ich meinen Ex-Freund, welcher nach Thailand ausgewandert ist, besuchen wollte. Und natürlich Maximus, mein braunes kleines Ein- und-Alles. Der ist leider „mitausgewandert“ (beziehungsweise musste). Der Abschied fiel mir damals vor einem Jahr sehr schwer. Ich freute mich so sehr auf das Wiedersehen und konnte es kaum erwarten ihn in meinen Armen zu halten und zu küssen – den Hund natürlich! Plötzlich ging alles schnell, es gab ein Telefongespräch und ich spürte, dass es besser wäre, wenn ich die Orchideen vergessen würde. Flugticket storniert, die Frau im Reisebüro hatte Mitleid mit mir, ich war den Tränen nahe. Und shit, ich hatte keinen Plan B! Noch nicht!

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Wie lange habe ich gekämpft, damit ich diese vier Wochen Urlaub bekomme? Mein Chef wird sich totlachen, wenn ich sage, ich hätte es mir anders überlegt. Ein Plan B musste her, und zwar dringend. Ich nahm mein Handy und wählte eine Nummer. Am anderen Ende meldete sich ein Schulfreund von mir, den ich noch cool fand. Ich gab ihm die Kurzfassung meiner Geschichte wieder (mehr wollte er sicher gar nicht hören) und fragte ihn, ob wir zusammen surfen wollten (ich weiss auch nicht wie ich auf die Idee kam, vielleicht habe ich ein Video von Kelly Slater im Fernsehen gesehen oder so), irgendwo hin. Jetzt weiss ich, warum ich ihn so cool fand: Er sagte auf Anhieb „Ja, klar“. Ich meine Hallo? Das muss man sich doch vorher gründlich überlegen und planen und und und? Aber umso besser für mich, so musste ich mich vor meinem Chef nicht blamieren und hatte eine Reisebegleitung. Strike!
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Fuerteventura!

Paar Tage später saßen wir im Flugzeug, zwar ohne Orchidee-Stewardess, aber ich hatte meine Flugangst im Griff, denn mein cooler Reisepartner fragte mich Spanisch-Wörter ab: Mit „hola“, „cerveza“ und „gracias“ wird das wohl schon gehen, dass wir uns auf Fuerteverntura verständigen können.

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Am nächsten Tag war es so weit, ich hatte sogar noch im Voraus meine erste Surf-Lektion gebucht. Vor dem Surfshop in Corallejo wartete ich auf Oscar (hmmm, wie sieht er wohl aus?) und die anderen Teilnehmer und zukünftigen Surfer…Ein geiler alter stylisher gelber Jeep mit ganz vielen ganz grossen (oh my god!) Brettern kam angerast und hielt einen Milimeter (oder so, sorry, ich neige manchmal zu Übertreibungen) vor mir an. Das war wohl das Oscar-Mobil. Langsam kamen die anderen Surfer auch.

fuerteventura surfen


Tindaya

Eine halbstündige sehr schnelle und holprige Fahrt später standen wir am Strand – also am Spot, wie Oscar meinte. Wir durften unsere pinkigen (oh yeah!) abladen und nach vorne tragen und da kam das erste Problem. Die Dinger sind so gross, dass ich sie als zierliche Frau kaum einen Meter weit tragen kann – fängt schon mal gut an! Aber ich liess mich nicht unterkriegen und liess mir helfen. Am Strand musste ich feststellen, dass mein Surf-Coach irgendetwas von Kelly Slater hatte – das waren wohl die berühmten Surf-Muskeln… ;-) Aber back to the beach: Ich war bereit. Ich war so was von bereit: Meinen neuen leuchtend farbigen Roxy eng geschnallt, um im Sand zu paddeln – wie sich Minuten später herausstellte…. „Was soll das?!?“, dachte ich. Ich meine, ich wollte auf Wellen reiten und mich nicht im Sand wälzen wie ein verlorener Krebs der den Weg ins Wasser nicht findet. Dann die nächste Enttäuschung – wir mussten Neoprenanzüge anziehen – also hätte ich auch irgendein altes Badekleid anziehen können und niemanden wäre es aufgefallen. Aber immerhin, im Neopren waren wir dem Wasser schon näher und sahen aus wie richtige Surfer. Ich fühlte mich zumindest so. Gutes Gefühl! Wenn mich doch bloss Kelly sehen könnte.

fuerteventura wellenreiten

Oscar redete von Leash und Pad, vom Take-Off und Line-Up, vom Swell, von Channels und ich verstand nicht so viel… Ich wollte doch nur ins Wasser, inzwischen auch, weil das schwarze enge Ding an mir klebte und ich begann zu schwitzen und die Sonne zu verfluchen. Eigentlich war ich immer ein Sonnenanbeter, aber in diesem Moment gab es wichtigere Dinge – nämlich Surfen! Oscar redete von Breaks und Reefs, vom Duck-Diven und dann hörte ich noch etwas von Sexwax – hä? Ich will doch nur endlich ins kühle Meer steigen. Nach dem Warm-Up (eigentlich war ich doch schon warm genug) und wenn ich gewusst hätte, dass dies auch noch kommt, hätte ich wohl am besten gar nichts unter dem Wetsuit angezogen – Roxy hin oder her! Dann endlich schnappten wir uns unsere pinkigen Bretter (jetzt begriff ich auch was die Leash ist und wofür die gut ist) und stürzten uns in die Wellen, bzw. die Wellen stürzten sich auf uns. Was für ein Disaster. Was für eine Anstrengung. Was für ein Kampf. Und das ganze nur einige wenige Meter vom Strand entfernt, wo ich mich normalerweise annässe, bevor ich dann richtig ins Wasser gehe. Und hier war Schluss für mich, weil mich die Wellen einfach nicht weiterlassen wollten. Und dann noch das grosse Brett, eher ein Hindernis als eine Hilfe. Oder eine Gefahr, wenn es sich um die Boards der anderen handelte, die in Richtung meines Kopfes flogen. Ist vielleicht besser, wenn mich Kelly (noch) nicht sieht.

olga-hammerschmied_tindaya-surfen

Also kämpfte ich im Weisswasser und liess mich hin und her spülen und schieben. Ab und zu versuchte ich zu paddeln, wenn mich Oscar motivierte, aber dann war schon wieder das Weisswasser da, auf mir und drückte mich unter Wasser. Ich habe gehört, dass Meerwasser sehr gesund ist, aber wenn es einfach in allen Löchern des Körpers ist, kann das nicht gut sein, oder? Ab und zu, wenn eine grössere (ist jetzt voll übertrieben) Welle kam, wurde ich nicht nur unter Wasser gedrückt, sondern auch vom Brett geschoben und dann kam mein pinkiger Freund von hinten angeflogen und schlug mich auf den Kopf. Wenn ich ausgewichen bin, kam halt die Finne und schnitt mich oder meinen Neopren. Hmmm, und dann war der Nachmittag vorbei und ich konnte immer noch nicht surfen. Und wer trägt mein Brett zurück zum Jeep? Der Wille und auch die Kraft waren einfach nicht da. Thanks Oscar, immerhin zu etwas ist er gut, wenn er mir schon nicht das surfen beibringen kann…

Mitten in der Nacht wachte ich geschockt auf und schrie: „Aaaah, ich habe Nasenbluten!“ Als wir das Licht anmachten, war zum Glück nichts vom Blut zu sehen, mir ist bloss das Salzwasser vom Surfen auf der Nase gelaufen, wie ekelhaft! Wie es da reinkam, weiss ich bestens, aber warum kommt’s erst jetzt raus? Ohne weitere Zwischenfälle schlief ich danach durch und träumte bizarre Geschichten über Wellen und fliegende pinkige Bretter…

ueberlaenge

„Blöderweise“ hatte ich eine ganze Woche gebucht und musste am nächsten Morgen wieder ins Oscar-Mobil steigen. Es waren nicht mehr so viele Kursteilnehmer da wie gestern, aber ich konnte sie in diesem Moment verstehen! Naja, heute kann’s nur noch besser werden! Oder schlimmer… An diesem Tag lernte ich das Wort „Strömungen“ verstehen und war froh, dass ich aus dem Wasser gezogen wurde, bevor ich und mein Brett auf dem Felsen aufprallten. Als die Vögel und Sterne um meinen Kopf flogen wollte ich nie mehr surfen!
Der nächste Tag stand dann voll im Zeichen der Waschmaschine, denn ich wagte mich „auf“ die Wellen. Nicht, dass ich schon mal in einer laufenden Waschmaschine gesteckt hätte, aber so muss es sich anfühlen! Dann stecke zudem der Spitz meines Boards (ich hatte mich mittlerweile vom pinkigen Monster verabschiedet und mein neues Brett hatte immerhin schon eine Form und eben einen Spitz) ins Wasser und mein Körper folgte (anm. d. red. nose dive). Wenn ich Glück hatte, gab’s keine Kopfnuss, wenn ich Pech hatte…Padabum!!! Die Tage vergingen (zum Glück hatte ich mir einen Monat reserviert, um surfen zu lernen) ich paddelte und paddelte wie eine Wahnsinnige, sogar mit den Füssen, aber irgendwie kam ich nicht auf die Welle. Entweder drücke sie mich unters Wasser und wenn ich wieder oben war (es war übrigens gar nicht so einfach das „Oben“ zu finden, wenn man in alle Richtungen gedreht wird!) und so richtig Luft holen wollte, kam die nächste und drücke mich wieder runter – ach hätte ich doch mit dem Stein in den Händen unter Wasser meine Lunge trainiert (wie in dem einen Film)! Hmm, die Geschichte mit den Wellen-Sets begriff ich also auch. Ein anderes Mal ging die Welle einfach
unter mir unten durch und ich blieb auf dem Board liegen und konnte Daumen drehen. Warum war das bloss so schwer?!?

Lajares
Zum Glück gab es da auf dem Rückweg noch diese Panaderia, diese Bäckerei – welche wohl eröffnet wurde, um deprimierte Surfer zu trösten. Auch ich habe mich trösen lassen und verschlang die Himbeer-Vanille-Törtchen, als hätte ich eine Woche nicht gegessen – übrigens, ich finde, dass man sie nach einem Surftag wirklich so fühlt! Wie auch immer, ich war wieder glücklich!

olga-hammerschmied Lajares

Los Lobos
Am nächsten Tag brauchte ich dann mal einen Ruhetag und wir haben uns vorgenommen, eine nahe Insel zu entdecken – als wenn’s da was zu entdecken gäbe! Ich glaube, die Übersetzung von „Los Lobos“ ist die „totel Insel“. So ist sie uns zumindest „eingefahren“.

los lobos

Wir liefen stundenlang über die Insel und haben keine lebendige Seele erblickt. Es gab höchstens „Killer“-Geisen und Häftlinge aus dem dortigen Gefängnis – ich bin bis heute überzeugt, dass dieses einzige Gebäude auf der Insel ein Gefängnis für hochgefährliche verbannte Häftlinge war (tja, das ist noch Phantasie, nicht?)! Nicht mal einen Hai im Wasser haben wir gesehen – dabei munkelt man, dass es dort welche haben soll… Aber vielleicht besser, denn das ist meine zweite Phobie neben der Flugangst. Aber zurück zur Insel. Da das Schiff nicht so oft fährt, durften wir uns dort den Arsch abfrieren und hoffen, dass überhaupt noch ein Schiff kommt. Stunden später, das Wetter wurde schlimmer, kam es.

wellenreiten los lobos

Wir wollten nichts sehnlicher als wieder zurück auf unsere Fuerte-Insel und dachten uns nichts dabei. Die Fahrt war eine Horrorfahrt und die Riesen-Wellen hatten uns voll im Griff. Sie brachen über das Schiff, drehten uns, schubsten uns und es war schlimmer als auf einer Achter- bahn. Mein einziger Trost war, dass die wenigen Einheimischen die auf dem Schiff waren, ruhig blieben und so war ich es auch – ich tat zumindest so. Als auch die Einheimischen nicht mehr lachten und redeten, begann ich zu schwitzen und wartete, bis ich ganz schlimm seekrank werde oder sterbe. Oder beides. Also gut, wir haben es überlebt, aber ganz kapp. Ich freute mich schon auf den nächsten Surftag, also doch noch!


Esquinzo

Einige Zeit später (und ich schon fast hinten im Line-Up bei den anderen Surfen) wollte ich das Duck- Diven entdecken. Musste aber schnell feststellen, dass das Verhältnis von meinem Brett zu meinem Körper (bzw. das Verhältnis von der Kraft des Wassers und meiner Kraft) noch nicht ganz ausgeglichen war. Verschieben wir das mal auf später… Da ich nun aber einigermassen paddeln konnte, wollte ich mich mal unter die Leute mischen, die da hinten im Line-Up so gemütlich auf ihren Brettern sitzen und quatschen, oder was auch immer die machen – ich war ja noch nie dort. Nach mehreren Anläufen habe auch ich es geschafft und musste feststellen, dass sich dort ziemlich viele verrücke Typen befinden und dass sie kaum reden. Sie beobachten die Wellen und wenn eine gute kommt, gibt‘s kein Pardon mehr. Dann heisst es nur noch „Survival oft he fittest“ oder „fastest“ .

esquinzo meer

Egal wie eng mein Roxy sass (an dem Tag war es so heiss, dass ich zweien Tätigkeiten gleichzeitig nachgehen wollte – braun werden und surfen), das interessierte niemanden, wenn die Welle kam. Und in so einer Situation lernte ich einen Local kennen, aber leider im negativen Sinn. Wie durch ein Wunder oder ich war einfach am richtigen Ort zur richtigen Zeit, erwische ich eine Welle und stand auf… …und blieb stehen! Es war so weit, ich hatte meinen ersten Ride. Blöderweise bin ich wohl diesem Local vor sein Brett gefahren (also „steuern“ konnte ich nicht auch noch in dieser einmaligen Situation) und er konn- te den freudigen Augenblick gar nicht mit mir teilen, im Gegenteil – ich habe dann auch wieder bereut, dass ich im richtigen Augenblick am richtigen Ort war – der Typ schrie mich an, als wäre das die letzte Welle der Welt gewesen oder als gäbe es kein „Morgen“ mehr. Zum Glück verstand ich doch nicht so viel Spanisch und zum Glück ist es nicht „in“, Frauen zu schlagen – ich habe da schon andere Horrorgeschichten gehört. Eine ziemlich gefühlsintensive Situation, ein Hoch und ein Tief auf einmal, aber ich konnte es verkraften, denn die Glücksgefühle überwogen.

esquinzo
Nach diesem intensiven Tag war dann am Abend Party angesagt und ich habe zwei weitere Erkenntnisse gemacht. Ich habe meine neue Lieblingsblume entdeckt, nämlich Hibiskus, welche da einfach so wächst. Diese ist ja eigentlich viel schöner als Orchideen… Und die Locals sind doch nicht so schlecht drauf, denn die Fete ging ab! Ich war glücklich und ging meinen ersten Wellenritt immer wieder im Kopf durch. Alle meine Waschmaschinengänge, die Hunderten Liter vom salzigen Wasser die ich trank, die Schnitte in meinen Händen und Füssen, die Muskelkater, die Brettschläge auf den Kopf waren einfach vergessen. Ich wollte nur noch surfen! Es hat mich gepackt. Und wie’s weiter geht, könnt ihr euch ja wohl denken, surfing forever!!!

esquinzo strand

Maximus ist inzwischen ein richtiger Thailänder geworden (an die Surfhund-Redaktion: Sonst wäre es aber sicher ein „Surfhund“ geworden). Ich surfe seit Fuerte immer wenn ich kann und wo ich kann. Und mein cooler Reisebegleiter begleitet mich nicht nur auf meinen Surf-Trips. Na wenn das nicht ein Happy-End ist?

Writer: Olga Hammerschmied
Land: 3006 - Schweiz
Kategorie: Reisebericht

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1 Kommentar zu „Von Himbeertörtchen und “pinkigen” Freunden“

  1. SURFHUND sagt:

    es gibt jetzt übrigens auch “pinkige” Surfhund Sticker fürs Board oder den Schleppi….

Surfhund

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