Roti Reisebericht von Clara Zeisig5.Internationaler Murbreak Surf Contest

Über die Leichtigkeit des Wellen-Wrestlings

von Matthi

Surfen zu lernen ist ja nun wirklich ein Kinderspiel. Man braucht gerade mal ein Board und das wars dann auch schon. Rein ins kühle Nass, umdrehen, anpaddeln, und in die Tube. Wie Utah in “Gefährliche Brandung”. Auch der Untalentierteste unter uns erlernt diesen Sport in weniger als 2 Tagen. Garantiert!

Jetzt steh ich hier, ich armer Tor – und stell mir das ganz einfach vor!

Terregal; NSW; Australia; 7.Feb 2001; 9:30:
Heut gehts ans Eingemachte. Heut kauf ich mir mein allererstes Surfboard. Ob ich schon mal Surfen war? Soll das ein Witz sein – Nein, natürlich nicht – deswegen kauf ich mir ja mein erstes Surfboard… Vielleicht ein Surfcamp? Alter, ich bin auf dem Windsurfbrett zur Welt gekommen, snowboarde seit ich denken kann und hab Gefährliche Brandung sicher 321 mal gesehen… Und Wellen? Ja klar, Mann. In Caorle (Adria; Mittelmeer) hats 1995 im Familienurlaub nach einem Sturm sicher an die eineinhalb Meter Wellen gegeben. Und jetzt lern ich surfen! Dafür hab ich 5 Monate Zeit hier in Australien! I am ready!

Terregal; NSW; Australia; 7.Feb 2001; 11:00:
Der lokale Surfshop Nr. 1: Ich: “Yo man, I want to get myself one of these boards over there…”, mit dem Finger auf eins dieser schnittigen Teile zeigend. Surfdude Nr. 1: “yeah man, good choice. you like ‘em double-concave, don’t ya?”. Um Peinlichkeiten zu vermeiden und das nicht-existente Surf-Wissen zu kaschieren erwidere ich wie aus der Pistole geschossen: “exactly”. “So where you’ve been rippin’ so far, mate?” fragt der Dude im besten Aussie-Smalltalk-Style. Ich: “nowhere yet – am just starting…”.
Lachen. Schweigen. Wieder Lachen. Der Dude zeigt auf die 3-Meter-Plastikgurke im Eck und meint: “do yourself a favor, get yourself one of those and sign up for a surfcourse…”. Hey, what the f*** – ich möcht Surfen lernen, nicht die Frachter-Kapitäns-Karriere einschlagen. Sauer verlasse ich Surfshop Nr. 1. So ein Idiot.


Terregal; NSW; Australia; 7.Feb 2001; 11.40:

Der lokale Surfshop Nr. 2: Keine Riesen-Gurke. Definitiv. Ich kann snowboarden und windsurfen. Was soll ich da mit so nem Ding. Ganz still geh ich rüber zum Second-Hand-Bereich und greif mir ein Teil, was auch nach Surfboard aussieht. Ein 6′6″er Shortboard. Erleichtert über ausbleibende Fragen von Surfdude Nr. 2 bezahle ich und möchte schon gehn. Darauf Surfdude Nr. 2: “yo mate, need fins with that? a leash? got wax?”. Was auch immer das alles sein mag. Offensichtlich braucht man sowas… Also gut, packs ein. Stolz mit meinem ersten Board unterm Arm und einer Tasche voll Irgendwas verlasse ich Surfshop Nr. 2.

Terregal-Beach; NSW; Australia; 7.Feb 2001; 13:00:
Hmm, die Finnen unten draufschrauben – wie beim Windsurfboard – easy. Das Wax? Jaaaa genau: “Sex Wax – you are not into kinky shit, are you Angelo” – Utahs legendäre Schleichwerbung in Gefährliche Brandung. “Surfers use it on their boards. They rub sand into it for traction”. Das wäre also auch geklärt. Und die Leine? Mal schaun, was die anderen so damit machen. Rightyright, an den Fuß damit. Ok, kann losgehn!
Rein ins Wasser – nur mit Boardshorts – im Februar: herrlich.
Mit 20er Sonnenschutz aus Österreich – ohne Lycra – im australischen Hochsommer – zur Mittagszeit: dämlich.
Das mit dem Surfen und so hat aber bei Utah schon leichter ausgesehen… Damn is das schwierig – ich kann ja nicht mal auf dem Teil liegenbleiben. Und die Wellen machen das ganze erst wirklich dramatisch. Wie die mich in der Gegend rumschleudern… Gefühlte 3 Stunden bei realen 30 Minuten später spuckt mich der Ozean wieder an Land. Gefrustet, müde und mit einem Sonnenbrand, der die lokalen Hautkrebs-Klinik-Betreiber die Hände reiben lässt, beende ich meine erste Surf-Session. Was für ein Reinfall.

Along the NSW-Coast; Australia; 8.- 24. Feb 2001:
Ich aufgeben? Sicher nicht? Täglich schmeisse ich mich in die Fluten. Völlig planlos. Meist die Massen meidend, um nicht das Gesicht zu verlieren. Kein Fortschritt. Immer noch wäscht mich so ziemlich jede Welle vom Brett und zurück an den Strand. Von Surfen keine Spur. Und Spass? Bitte, das soll Spass machen? Alles andere… Sollte Surfdude Nr. 1 doch recht gehabt haben?

surfgeschichte

Coolangatta/Kirra; Gold Coast; QLD; Australia; 5.Mar 2001: 16:15:
Ok, nach gut einem Monat täglichen Kampfes kann ich mich mittlerweile ganz gut auf dem Board halten. Liegend wohlgemerkt. Mit dem Paddeln das geht auch schon so-la-la und die ersten Male eine Welle runterrutschen hat echt viel Spass gemacht und die bisherigen Bemühungen gerechtfertigt. Aber aufstehen auf diesem wackeligen Ding? Das geht halt noch gar nicht. Ich lieg also so im line-up von Coolangatta rum, da paddeln zwei Aussies zu mir rüber und meinen: “yo mate, let’s paddle over to Kirra – heaps better waves over there”. Stolz, als Surfer von den Locals akzeptiert zu werden, schliesse ich mich ihnen an und paddle mit rüber zu Kirra.
Kirra – “one of the fastest and heaviest barrels on sandy bottom”, wie ich mir später sagen hab lassen, begrüßt mich auch gleich mit einem Gigantomano-Set und brennt sich gemeinsam mit einem heftigen Wipe-Out und viel Sand für alle Zeit in mein Hirn. Ich habe gelernt, zu fressen. Gesenkten Hauptes verziehe ich mich in meinen Bus.

Surfers Paradise; Gold Coast; QLD; Australia; 17. Mar 2001: 15:40:
An diesem Ort muss es doch klappen. Surfers Paradise. Und tatsächlich: Heute: Meine erste Welle! Mein erster Stand-Up auf einer Welle! Ich kanns gar nicht glauben. Endlich. Ich kann auf dem Ding stehen. Zumindest kurz. Sehr kurz. Eineinhalb Monate Arbeit für dieses Gefühl? Jederzeit wieder! Unbeschreiblich. Jetzt hab ich so richtig Blut geleckt. Ich will mehr. Meine Route führt mich ja in der nächsten Zeit noch weiter die Küste entlang nach Norden – da muss es ja endlos Möglichkeiten geben…

Going north; QLD; Australia; 20.Mar – 15.Apr 2001;
Manche müssens halt auf die harte Tour lernen: über Wellen und Surfspots Bescheid zu wissen ist eine nicht unvorteilhafte Sache wenn man einen Surftrip plant. Wenn dem nicht so ist, dann fährt man auch mal gut 25 Tage lang an der vom Great-Barrier-Reef abgeschirmten Küste Queenslands auf der Suche nach Wellen. Der Erfolg fällt dabei erwartungsgemäß bescheiden aus. Damn.

Byron Bay; Gold Coast; QLD; Australia; 14.Mai 2001; 08:40:
Morgensession mit Aussi-Kumpels. Warum die Dudes bei diesen superschönen Wellen schon vor 20 Minuten raus sind? Keine Ahnung. Ich bleib mal fürs erste sitzen und warte auf die nächste Welle.
Vom Horizont her rollt sie heran. Baut sich auf. Ich dreh mich um, paddle die Welle an und… Yeah – ich stehe. Mit breitem Grinser gleite ich über den saugenden Wasserberg nach rechts. Und ich gleite. Und gleite. Und der Wasserberg saugt. Und saugt. Und saugt immer mehr Wasser in sich auf. Pl√∂tzlich wird mir klar, warum die anderen rausgegangen sind: Links neben mir muss ich feststellen, wie die Welle gut das ganze vorhandene Wasser in sich aufsaugt und das darunterliegende Felsriff freilegt… Und ich gleite. Meine Füsse zittern. Ich stelle mich auf großen Schmerz ein. Dann: Wipe-Out.
Wieder an der Wasseroberfläche: Wow! Glück gehabt! Das Riff nur haarscharf verfehlt.
Heute habe ich gelernt, dass es sowas wie Gezeiten gibt. Nice one.

Forresters Beach; Central Coast; NSW; Australia; 7.Jun 2001; 06:00:
Die Sonne ist gerade aufgegangen. Der Parkplatz ist voller Leute. Mit Kameras. Im Line-Up sitzen grade mal 6 Surfer. Schöne eineinhalb Meter Wellen rollen herein. Keiner surft. Alle sitzen viel zu weit draußen. Ich schau meinen Kumpel an. Jep – das lassen wir uns nicht entgehen. Mittlerweile schon mit etwas mehr Paddle-Power ausgerüstet erreichen wir das Line-Up keine 5 Minuten später. Wir bekommen beide eine Welle. Stoked. Dann: Lautes Pfeifen vom Strand. Wir drehen uns um und die 6 Surfer weiter draussen paddeln hektisch noch weiter Richtung Horizont. Dort erkennt man auch schon, wie sich eine Wellenkoloss aufbaut, den ich in solcher Grösse bislang noch nicht gesehen habe. Mein Kumpel schreit: “PADDLE!!!!”. Wir schaffen es nicht aus der Impact-Zone raus. Die Welle wird immer grösser. Die Welle bricht. Auf unseren K√∂pfen entlädt sich die geballte Kraft des Universums und verschluckt uns. Eine halbe Ewigkeit später gibt uns die Welle endlich wieder frei. Nach Luft ringend höre ich neben mir: “WATCH OUT!!!” – und ruummmmmss – die nächste Welle  – und ruuummmmmmsss – die nächste…
Wellen kommen also in Sets – und ein Parkplatz voller Leute mit Kameras deutet daraufhin, dass diese Sets nicht unbedingt klein sind… Lesson learned!

Wamberal Beach; Central Coast; NSW; Australia; 24.Jun 2001; 15:15:
Was für ein Tag! Strahlender Sonnenschein. Leichte Offshore-Brise. Und ca. 20 Leute im Wasser. Sonntag. Egal, ich paddel raus ins Lineup. Warten. Endlich kommt sie, die Welle, die für mich bestimmt ist. Volle Kraft voraus und… yippieeh – ich stehe. “oy-oy-oy” hör ich hinter mir… Da ist noch jemand in der Welle. Na dann surfen wir halt gemeinsam. “OY-OY-OY!!!” Was will der Dude?
Jetzt: falsche Gewichtsverlagerung und – PATSCH – Nosedive – und KKKRRRRAAAACCCKKKK. Der andere Surfer shreddert volles Rohr über mein Board. Mit fettem Riss im Brett paddel ich zu ihm hin und reg mich furchtbar auf. Er winkt ab und meint: “that was mine, mate – never heard of the rules of surfing?”. Ah, ok, also gibts auch sowas wie Regeln – was muss ich denn noch alles wissen für diesen Sport???

Linz; Austria; 14.Jul 2001; 21:30:
Gespannt sitzen sie um mich herum. Meine Kumpels. Und lauschen meinen Geschichten vom fernen Australien und vom “Sport der Könige”. Lang hat es gedauert. Viel Energie hat es gebraucht. Viele Fehler auch. Aber es wars wert! Allemal! Vom Rest Australiens hab ich zwar nicht so viel gesehen, dafür aber eine neue Leidenschaft gefunden. Dieser gilt es jetzt weiter nachzugehen. Wohin also der nächste Trip? Ganz klar: dem Geburtsort des Surfens. Hawaii. North Shore. Pipeline, Sunset-Beach, Waimea. Ich möchte grosse Wellen sehen! Und so sitz ich da. Ich, der vermeintliche Surfer. Und bin dabei, mein gesamtes Erspartes für den nächsten Trip auszulegen: Hawaii im Juli 2002! YEAH!

Linz; Austria; 13.Sep 2002; 17:10:
Rightyright: übers Surfen gibt es also noch viel mehr zu wissen. Pipeline: flat; Sunset Beach: flat; Waimea: double-flat. Es ist halt nicht zu jeder Jahreszeit auch Surfzeit.
Ok, dann meld ich mich doch zu einem Surfkurs an. Und ich werde Surfdude Nr. 1 anrufen. Er hatte recht.

Writer: Peter Peherstorfer
Land: 4203 - Österreich
Kategorie: Offene Kategorie

Surfhund Writers Contest 09 SponsorenThe Chillhouse - SurfcampMission to Surf - SurfcampDana Beanie

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4 Kommentare zu „Über die Leichtigkeit des Wellen-Wrestlings“

  1. Tom sagt:

    hamma video

  2. Stefan sagt:

    geiloooooooo

  3. DanieL sagt:

    Hahaha, einfach endless geil geschrieben!
    Schön manche Stories nochmal gelesen zu haben :) )
    Hoffentlich bis bald!

  4. sarah sagt:

    nice 1 sag ich da nur…love that video :o ) ihr seids die besten…c ya in summer!!!

Surfhund

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