What ever happens…
von Matthi
Wieder einmal packten Paul und ich früh morgens unser Surfequipment zusammen. Die Sonne war noch nicht einmal aufgegangen. „Was willst du auf deine Sandwiches?“ rief Paul zu mir rüber. Wir befanden uns im Haus von Paul Grey ́s Eltern an der Algarve in Portugal. Ich fliege regelmäßig zu Paul nach Portugal, da wir oft zusammen trainieren und uns auf Contests vorbereiten.
Wir hatten einen straffen Trainingsplan welcher täglich von 6.00 Uhr morgens bis 22.30 Uhr abends ging. Unser Headquater war diesmal Pauls WG in Lissabon doch wir waren für 10 Tage zu Pauls Eltern an die Algarve gefahren um noch konzentrierter und mit weniger Crowds trainieren zu können. Doch an diesem Tag würde noch einiges passieren was uns das Training und die Motivation nicht gerade erleichtern würde.

Nach unserer täglichen Vorbereitung und einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir also los, unser Ziel für heute war Punta Ruiva, ein sehr sehr abgelegener Spot mit einem Point und einem guten Beachbreak. Wer den Spot kennt weiß wie aufwändig die Anfahrt dorthin ist. Paul und ich saßen also in Pauls kleinem Fiesta fuhren in den Sonnenaufgang und sangen lauthals unseren „Pica“ Song „ My Secret People“ von Dover, der gerade aus den Lautsprechern dröhnte, mit um uns ein bischen für die kommende Sessions in Stimmung zu bringen. Plötzlich fiel Paul ein seltsam stechender Geruch auf und er machte mich darauf aufmerksam worauf hin ich nur entgegnete das komme von den komischen Blumen am Wegrand. Man muss dazu sagen wir fuhren bereits seit einiger Zeit über eine ewig lange kaum befahrbare Schotterstraße mit kleinen Sandstücken zwischen drin bei welchen man jedes Mal froh war wenn man nicht stecken bleibt. Das letzte Haus hatten wir wohl vor etwa 20 Minuten gesehen. So fuhren wir also weiter und versuchten auf den Geruch zu achten. Plötzlich fiel Paul ein kleines Licht am Amaturenbrett auf das angefangen hatte zu leuchten. Es hatte den Anschein als hätte sich der Motor überhitzt denn die Temperaturanzeige schoß auf einmal in die Höhe.

Zu unserem Glück war gerade ein kleiner Bauernhof, das einzige Haus auf dem Weg zum Spot, in Sichtweite. So ließen wir also das Auto bis kurz vor dem Bauernhof ausrollen, wobei wir auch zunehmend die kleine Rauchsäule bemerkten die unter der Motorhaube hervor quoll. Wir waren beide keine Auto Experten doch ein kurzer Blick unter die Motorhaube machte uns direkt klar, dass wir zumindest schnell etwas Kühlwasser nachschütten sollten da es langsam den Anschein machte als würde der Motor bald in die Luft fliegen und es war definitiv kein Tropfen Wasser mehr im Kühler. So schnappte sich Paul eine Flasche und sprintete los zu dem kleinen Bauernhof um etwas Wasser zu schnorren. Doch ehe ich mich versah kam er panisch mit den Armen in der Luft wedelnd zurück gerannt, ihm auf den Fersen eine gigantische Bulldogge. Als er es geschafft hatte das Monster abzuhängen galt es einen neuen Plan zu schmieden. Also beschloss Paul etwas Wasser aus der Kuh Tränke zu klauen denn die Kühe machten definitiv einen harmloseren Eindruck als die monströse Bulldogge. Nach einer kurzen Analyse des Motorraums und Nachschütten von gefühlten 50 Litern Wasser welche direkt wieder verdampften bemerkten wir dass ein Schlauch von seinem Anschluss gesprungen war und wir schienen das Problem gelöst zu haben. Also ging es mit einigen Flaschen Kuh Wasser bewaffnet weiter in Richtung Surfspot. Der Rest der Fahrt verlief bis auf ein Paar mal Wasser nachfüllen ohne Probleme.
Endlich waren wir angekommen und konnten mit dem Training beginnen. Die Bedingungen waren traumhaft und wir konnten es kaum erwarten ins Wasser zu kommen. So schien der Tag doch noch den normalen Lauf zu nehmen und wir absolvierten unser normales Programm, welches aus einer Kombination von Surfen, Yoga, Ausdauer Training, Athletik Training und gegenseitigem Videocoaching, bestand. Die Bedingungen waren so traumhaft dass wir abends sogar noch bis zur absoluten Dunkelheit im Wasser blieben.

Als wir hierauf zum Auto zurück kamen kam der nächste Schock. Pauls Auto hat 2 verschiedene Schlüssel. Einer der nur die Fahrertür abschließt, aber nicht ins Zündungsschloss passt und einer der alle anderen Türen so wie den Kofferraum aufschließt und den Motor startet. Nun traf uns nach einem solchen Tag die Erkenntnis, dass bloß noch ein Schlüssel da war und das war ausgerechnet der der nur die Fahrertür ABSCHLIESST. Nun was macht man in einer solchen Situation? Du stehst mitten in der Nacht an einem traumhaften Surfspot mitten im Nirgendwo, der nächste Händy Empfang wohl gut 5 Kilometer weg. Die Klamotten und die Handys ohnehin im Auto eingeschlossen und das nächste Haus gut 10 Kilometer entfernt. Gut, zu aller erst hundert mal panisch alles durchsuchen ob der andere Schlüssel nicht doch noch irgendwo zu finden ist.
Als wir gar nicht mehr weiter wussten fiel uns ein VW Bus auf der ein kleines Stück entfernt stand. Hier trafen wir auf ein deutsches Pärchen, bei welchen wir etwas Werkzeug ergattern konnten mit welchem wir versuchen wollten in das Auto einzubrechen und um die Nerven zu beruhigen bekamen wir freundlicherweise jeder noch ein kaltes Bier dazu. „Besten Dank an diesem Punkt nochmal an das Deutsche Pärchen.“
Mit Hilfe des Werkzeugs und der Kreativität die das Bier verursachte gelang es uns nach einer Weile auch endlich in das Auto einzubrechen, doch leider war der gesuchte Schlüssel auch nicht irgendwo im Auto eingesperrt. Allerdings konnten wir uns nun zumindest endlich mal umziehen und hatten unsere Handys. Nach diversen versuchen das Auto kurzzuschließen gaben wir es auf das Auto von dort fortzubewegen, schnappten und unsere Handys und machten uns im tiefen Schwarz auf die Suche nach einem Fleck an dem wir Empfang haben würden. Nach einer uns ewig vorkommenden Wanderung durch das portugiesische Outback fanden wir endlich einen Platz an dem unsere Handys funktionierten und konnten letzten Endes endlich Pauls Mutter zur Hilfe rufen damit sie uns, es war inzwischen etwa 12.30 Uhr Nachts, den dritten Ersatzschlüssel an einem Spot vorbei brachte von dem sie noch nicht mal wusste wo er sich befand. Jedoch die Rettung war zumindest schon mal absehbar. Das ganze ging dann auch relativ schnell. Wir hatten noch nicht mal die Hälfte des Weges zurück zu unserem Auto hinter uns als wir bereits die Scheinwerfer des rettenden Autos am Horizont entdeckten. Mitten in der Nacht waren wir also endlich gerettet vor der Nacht in der Kälte denn auch an der Algarve sind die Nächte im Herbst nicht mehr die wärmsten.
Ein kleines Hindernis sollten wir noch zu bewältigen haben, denn das Auto schaffte es gerade noch bis zur geteerten Straße bevor der Kühler wieder in die Luft ging. Doch Gott sei Dank waren wir diesmal in Begleitung von Pauls Mutter und konnten diesmal einfach das Auto stehen lassen und mit ihr zu einem weiteren Kühlen Bier und einer geruhsamen Nacht nach Hause fahren.
Ich habe mich im Nachhinein ab und zu gefragt ob ich, wenn ich gewusst hätte wie der Tag laufen würde an diesem Tag lieber zu Hause geblieben wäre, doch für mich gibt es in dieser Frage gar keine Diskussion, egal wie viele Schwierigkeiten man auf sich nehmen muss und egal wie viele Steine einem in den Weg gelegt werden, Ein perfekter Surftag ist durch nichts zu ersetzen und jeden Aufwand, wie hoch auch immer er sein mag, wert.
Noch eine kleine Anmerkung zum Schluss falls von euch da draußen jemand weiß wie man ein Auto kurzschließt vielleicht will es uns ja mal irgend jemand zeigen denn man weiß ja nie wann man wieder in solch eine Situation gerät.
Writer: YOYO (Johannes) Terhorst
Land: 80797 – Deutschland
Kategorie: Reisebericht









(4,876 Stimmen, Durchschnitt: 4.94 von 5)

26. Januar 2010 um 18:20 Uhr
dinge die mir doch sehr bekannt vorkommen……. klingt zumindest nach einem nicht gerade langweiligen tag
26. Januar 2010 um 19:17 Uhr
Ja passiert scho öfter… Hauptsache es is immer jemand mit kaltem Bier in der Nähe.
26. Januar 2010 um 23:51 Uhr
Geht in die Uni lernen und sucht euch richtige JObs. fuer Hobbies.
27. Januar 2010 um 09:47 Uhr
genau lernts amoi wos gscheits
27. Januar 2010 um 12:24 Uhr
In die Uni geh ich 6 Wochen im Jahr….
27. Januar 2010 um 13:55 Uhr
na dann passt das ja eh…
27. Januar 2010 um 14:00 Uhr
aber auf der anderen Seite frag ich mich was wir dann mit den ganzen Akademikern machen?
Die überschwemmen dann unsere Riversurfspots…. siehe Ergebnisliste vom letzten Murbreak Contest:
http://surfhund.at/murbreak-surf-contest-2009
weil sie so gute Jobs haben und sich Hobbies leisten können!
9. April 2010 um 00:48 Uhr
Yoyo … ich bring’s Dir bei