Wie lernt man surfen ohne sich zu verletzen?
von Matthi
Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht genau, aber ich werde euch einen Einblick geben, welche Fehler man vermeiden sollte. Ich habe sie selbst getestet und kenne mich somit aus. Hier gebe ich meine 10 Lieblings-Fehler zum Besten.
Surfen: Sexy, cool, stylisch!
Nach einer langen Anreise und einem Tag zum Eingewöhnen war es soweit. Wir wurden mit einem schicken Rip Curl Bus abgeholt (ziemlich cool!!) und zur Surf School gebracht wo schon der Surf Guide auf uns wartete (ziemlich sexy!). Doch….was war das? Ein Helm? Und ein Floß? So watschelten wir also behelmt, mit einem „Floß“, das wir nicht einmal tragen konnten Richtung Strand (NICHT Sexy, auch NICHT stylisch!). Jetzt aber ab ins Wasser, dachten wir. FALSCH dachte der Surf Guide! Zuerst aufwärmen und dann im Sand die ersten Übungen (NICHT cool!!). Nach einer sehr langen Stunde durften wir endlich ins Wasser und unsere ersten Versuche starten (ebenfalls weder sexy, noch cool, noch stylisch aber dafür unheimlich lustig).
Fehler Nummer eins: Halte dich niemals seitlich am Board fest. Es kann, und es WIRD kippen!
Soweit, so gut. Das Versprechen des Surf Guides hielt und am Ende des Tages stand jeder von uns seine erste Welle. Große Verletzungen blieben aus. Schürfwunden und Blutergüsse allerdings die Regel. Egal! Wir hatten alle Blut geleckt und freuten uns unheimlich auf den nächsten Tag.

Balinesen sind Sadisten….
….und jene die ihnen gehorchen Masochisten! Man stelle sich vor, 13 Uhr, die Temperatur hat ihre grausame Spitze erreicht. Der Surf Guide hat kein Erbarmen mit verwöhnten, verhätschelten europäischen Füßen! Er treibt uns durch gefühlten 100°C heißen Sand zum joggen (aufwärmen…als wär es nicht heiß genug). Was joggen hätte sein sollen, artete aus in einen Spießrutenlauf zu jedem Schattenfleckchen der sich uns bot. Sehr zum Leid der Leute, die dort Ruhe suchten und von einer Horde fluchender „Surfer“ heimgesucht wurden (fuck FUCK FUCK ahhhhhhhh FUCK FUCK ahhhhhh) die sogar in den Schatten ihrer Füße sprangen .
Nach dieser Tortur war das kühle Nass so ziemlich das Schönste was man sich vorstellen kann.
Fehler Nummer zwei: atmen nicht vergessen! Die Luft wird knapp wenn man schließlich doch noch fällt und „untergeht“.
Fehler Nummer drei: Doggystyle sieht nicht gut aus, und führt zu nichts. Einmal auf den Knien, ist es schwer aufzustehen! Fazit des zweiten Tages: Blutergüsse befinden sich in guter Gesellschaft mit den Schrammen.
Alles in allem verlief die erste Woche surfen sehr ruhig. Die üblichen Kollisionen wenn man mit 15 weiteren Anfängern die gleiche „Welle“ catchen möchte. Das einzige was mir zu schaffen machte, war meine Schürfwunde auf der Hüfte. Die Wunde wurde immer tiefer und tat unheimlich weh. Egal, dachte ich. Ich will surfen. Konnte ich doch endlich auf ein kurzes Board umsteigen und zumindest ein bisschen „cool“ werden.
Das war einfach nicht mein Tag!
Es sollte der erste Tag in „Freiheit“ werden. Wir durften/mussten weit hinaus paddeln. Es war ein besonderer Spot mit wundervollen Wellen.
Fehler Nummer vier: Es gibt nicht immer einen Channel!!!
Und so war das hinaus paddeln eher geprägt von untertauchen, Wasser schlucken, Husten und Erschöpfungsanfällen. Gequält von meiner schmerzenden Wunde schaffte ich es schließlich bis zu meinem Surf Guide in die „sichere Zone“ und lag erschlagen auf meinem Brett. Doch was war das??? Da ist etwas in meiner Boardshort!!!! Kann nur Seegras sein, oder? Als ich meine Hand jedoch mit einer KRABBE aus dem hinteren Teil meines Körpers zog, war ich so überrascht, dass ich sie (also die Krabbe) nach meinem Surf Guide warf, begleitet von einem erschrockenem Kreischen. „What happend Chrissi??“; „There was a crab in my ass!!“; „What??“ „THERE WAS A CRAB IN MY ASS“. Das zweite Mal laut genug, sodass es wohl jeder Surfer im Umkreis von 1km gehört hatte. LAUT gelacht hat nur mein Guide Rian, angegrinst haben mich jedoch auch alle anderen.
Nachdem der erste Schock verdaut war, versuchte ich die erste große Welle zu bekommen was mich zu Fehler Nummer fünf und sechs bringt: Leg dich nicht zu weit nach vorne. Der erste Versuch endete in einem perfekt durchgeführten Nose-Dive (5). Nimm NIEMALS die erste Welle von einem Set, wenn du dir nicht sicher bist, dass du sie stehst und das was nach kommt handlen kannst(6). Dem Nose-Dive folgte unweigerlich weiteres Wasser schlucken und weitere Tauchgänge.
Danach brach ich meinen ersten Tag im großen, weiten Ozean ab. Mit starken Schmerzen an der Hüfte konnte ich gerade noch zum Strand paddeln, wo ich auch –mehr tot als lebendig- zusammen sackte. Bis zu diesem Tag hatte ich meine Wunde gut versteckt, doch sie blutete so stark, dass auch Rian darauf aufmerksam wurde, und mich schließlich ins Krankenhaus brachte. Fazit: 1 Woche Surf- und Wasserverbot und eine Tonne an Medikamenten.

Fehler Nummer sechs: Geht niemals mit offenen Wunden auf Bali schwimmen. Das Wasser ist so schmutzig, dass das eine böse Infektion zu Folge hat. So wie bei mir. Einzelheiten erspar ich euch und wir machen weiter, mit dem lustigen Part.
Zweiter Versuch
Nach einer Woche der Langeweile sollte ich mein Comeback haben. Immer noch vollgepumpt mit Medikamenten, also ziemlich gut drauf, bekam ich grünes Licht von meinem Arzt. Also Brett aufs Auto und Abmarsch. Der Spot war der Wahnsinn und übermotiviert paddelte ich –diesmal in einem auch erkennbaren Channel- hinaus.
Fehler Nummer sieben: Tu ALLES, was der Guide dir sagt.
Zusammen mit einem weiteren Surfneuling trieben wir da draußen so vor uns hin, als plötzlich einer der Guides in wilder Panik anfing zu schreien „PADDLE…….paddle paddle…PADDLE!!! OUT OUT OUT!!!“…..wir sahen uns um, konnten aber keinen Grund für seine Aufregung erkennen. Keine Welle in Sicht, auch kein Hai. Einfach Nichts. Das muss ein Fehler sein. Ah….da….ein“ Hügelchen“…..ist ja eh nur so klein. Die Schreie von unserem Guide immer panischer werdend „GO…GO…PADDLE!!!!!!!!!! PADDLE OUT!!!“. Immer noch wussten wir nicht, was er denn nun wollte von uns, bis sich wie aus dem Nichts eine Welle vor uns aufbaute. Ja, das war der Moment, in dem wir anfingen zu paddeln, doch zu spät. Die Welle hatte ihre volle Höhe erreicht (was an die 3m war) und brach direkt über uns! Das war der Augenblick, in dem ich wusste, was alle Anderen mit „laundry“ meinten (auch wenn ich mich mehr wie eine Flipperkugel fühlte und nicht wie eine Socke in der Waschmaschine). Da aber nichts passiert war, fand ich das ganze ziemlich lustig und probierte es, sehr zum Leid meines Guides- gleich noch einmal aus.
An diesem Tag stand ich meine erste „big wave“ und hörte auf alles, was meine Guides mir sagten. So klappte das Surfen ganz gut und aus unbeholfen wurde doch ein wenig sexy, ein wenig Style und auf jeden Fall ziemlich cool!
Surf Guide: your head MUST be higher than your bum! Knapp aber doch!

Fehler Nummer acht: Sei nicht zu faul bei Shore-Break
Nach einem Anstrengenden, jedoch sehr schönen Tag, hatte ich den Plan, mich einfach an den Strand treiben zu lassen. Was eindeutig eine schlechte Idee war, und mein armer Guide seine nächste Herzattacke erlitt. Shore-Break ist was ziemlich gemeines, die Surfer unter uns kennen es ja. Im Zuge meines sehr überdachten Planes bekam ich an diesem Tag auch noch ein gratis Peeling.

Stammkundenkarte
Die nächsten Tage verliefen ziemlich gut. Wir lernten viel über Wellen, und bestimmte Dinge zu erkennen und waren alle schon ganz gut und sicher auf dem Surfbrett.
Doch mein letzter Surftag sollte noch eine Überraschung für mich bereithalten. Wir fanden uns an meinem Lieblingsspot ein und wollten noch ein letztes Mal, bevor es wieder in die Heimat ging, alles so richtig auskosten.
Fehler Nummer neun: kehre nicht zurück zu alten Fehlern. Der Übermut nahm Oberhand und so schlichen sich anfängliche Fehler wieder ein. Wie zum Beispiel meine Doggystyle-Variante. Die Welle war perfekt, doch die Kraft in den Armen wollte einfach nicht zurück kehren und so saß ich auf allen Vieren am Brett, schaffte es aber unglaublicher Weise doch noch auf zu stehen. Unglücklicherweise wurde diese Neuinterpretation des Surfens von der Guide-Kamera aufgenommen und sorgt für viel Gelächter (und ein bisschen Anerkennung) am Abend bei der Analyse.
Fehler Nummer zehn: fallt nicht ungünstig.
Ein Fehler, den man nicht unbedingt immer steuern kann, doch man sollte es zumindest versuchen. Nachdem sich mein Guide aus dem Staub gemacht hatte (obwohl er versprach mir noch eine letzte schöne Welle zu suchen, ihm davor aber kalt wurde und er jene Welle kurzerhand selbst nahm) saß ich, nicht hilflos, aber doch zumindest ratlos, Mutterseelen alleine draußen im Wasser. Was sagten die Guides? Welche Welle soll ich nehmen? Egal. Keine Zeit zum Nachdenken. Ich paddelte also die nächste Welle an, doch diese entpuppte sich als nicht ideal –aus meiner Sicht und erst im Nachhinein- und so viel ich ins, oder in diesem Fall besser gesagt AUFS Wasser. Und das mit meinem Ohr. Treffsicher!
Das Krankenhaus auf Bali sah mich also wieder. Trommelfell gerissen. Nicht komplett, aber doch. Also packte der Arzt erneut seine Glitzerpackung mit Tabletten aus. Als Dankeschön für meine Treue bekam ich eine Stammkundenkarte und 20% Rabatt auf Medikamente. Lebenslang. Das gelob ich mir.
Das war sogar für mich ein neuer Rekord an Verletzungen in so kurzer Zeit. Doch Alles in Allem hat es sich ausgezahlt und die ersten Schritte sind ja bekanntlich immer schwer. Die Sucht entflammte in diesem Urlaub unlöschbar und wird hoffentlich auch bald wieder gestillt werden.
Writer: Christina Swoboda
Land: 8047 – Österreich
Kategorie: Offene Kategorie









(94 Stimmen, Durchschnitt: 3.95 von 5)

21. April 2010 um 12:03 Uhr
Top Story!! Da ist man live dabei!
21. April 2010 um 12:58 Uhr
Super gemacht die Story! Da fühlt man sich wieder um ein knappes Jahr nach Bali zurück versetzt
21. April 2010 um 13:18 Uhr
Geiler Artikel!
Aber mit dir würde ich auch ohne deiner Hilfestellung sofort surfen gehen, DAMN HOT CHICK!
Du wirst das Ding schon schaukeln!
LG
21. April 2010 um 13:34 Uhr
Tolle Story… Bis auf die Verletzungen erging es mir bei meiner Surfversuchen gleich
Aber egal, wie oft man auch ins Wasser fällt- wenn man einmal eine Welle geritten hat, vergisst man alle Strapazen! Liebe Grüße und noch viele schöne Surferlebnisse
21. April 2010 um 13:42 Uhr
fehler nummer 11:keine fuenf sterne fuer diese story vergeben!!!
21. April 2010 um 16:36 Uhr
Toll gemacht!
22. April 2010 um 14:30 Uhr
Die Story ist wirklich SPITZE! Würde ich gerne surfen können, aber keine Fehler dabei machen
Weiter so und noch viel Spaß – der nächste Sommer kommt bestimmt!
23. April 2010 um 19:26 Uhr
will am liebsten auch glei surfen lernen, obwohl sichs schmerzhaft anhört
cooler artikel, echt witzig geschrieben!!!
23. April 2010 um 20:34 Uhr
uafoch “flüssig” gschriebe – SUPER
26. April 2010 um 10:18 Uhr
super lebendig erzählte story! jetzt weiss ich, ich werde niemals surfen, maximal im internet
27. April 2010 um 17:44 Uhr
Seeehr geiler und lustiger Artikel!
(nur gottseidank ohne dem anstrengenden Paddel-Teil hehe)
Man is so richtig in Gedanken live dabei und lacht über Krabben im Hintern
28. April 2010 um 13:53 Uhr
Super Chrissi, Dein Beitrag ist umwerfend, Einstieg, Fall-und trotzdem totale Begeisterung, das ist ansteckend, das macht Lust. Dazu kommt noch die gut dosierte Portion Humor, ich habe Tränen gelacht, so sollte man zur Sache stehen, wunderbar.
Bleib dabei ich möchte noch mehr von Dir hören.
28. April 2010 um 16:02 Uhr
an impressive report
28. April 2010 um 16:04 Uhr
super Bericht
29. April 2010 um 11:35 Uhr
Super, toller Bericht! Heiter und ehrlich! Gratulation
29. April 2010 um 14:02 Uhr
Lustige Story mit viel Selbstironie, journalistisch blendend aufbereitet, mach weiter so!
Von mir 5 Sterne ++
29. April 2010 um 23:27 Uhr
Flott und humorvoll erzählt. Im Titel muß noch ein T weg. ” nicht cool ” und ” sehr lustig ”
widerspricht sich.Krabbe IM Hintern ist schlimmer als Hämorrhoiden und als einer, der 3 mal auf Bali war, kann ich garantieren, dass eine Hüftwunde ( wie ist die durch die Surf – dress
überhaupt entstanden ??) im Salzwasser rund um Bali innnerhalb 48 Stunden heilt.
GUTE REISE
2. Mai 2010 um 22:26 Uhr
…und wenn Du es demnächst perfekt und fehlerlos beherrscht, als surf-nixe cool, sexy und stylish (chrissi im wasser und auch an land), auf, unter(?) oder in der (erfolgs)welle surfst, wer holt Dich dann jemals wieder an land zurück, damit wir weiter so spannendes von Dir erfahren? surf, surf aber schreib auch bitte weiter!
10. Mai 2010 um 12:46 Uhr
…der Artikel macht einfach lust… auf Surfen *gg*
echt super geschrieben.
11. Mai 2010 um 13:49 Uhr
Spritziger, witziger Artikel!
Macht Mut Surfen zu lernen, selbst Antitalenten wie mir….
17. Mai 2010 um 19:08 Uhr
echt cool, gute Anleitung!